China setzt seine Kontrolle über für Japan wichtige Rohstoffe offenbar als diplomatisches Druckmittel ein, um das Land im Streit um Taiwan auf einen ‌anderen ⁠Kurs zu bringen. Seit Dezember sind die Exporte von Seltenen Erden wie Dysprosium ⁠und Terbium sowie des für die Chipherstellung wichtigen Metalls Gallium weitgehend zum Erliegen gekommen, wie aus Reuters ‌vorliegenden chinesischen Zolldaten hervorgeht. Japan ist nach China der ‌grösste Produzent von Magneten aus Seltenen Erden.

Der ​Lieferstopp fällt mit einem diplomatischen Streit zwischen den beiden Ländern über Taiwan zusammen, der sich im vergangenen November verschärft hatte. Der japanische Magnethersteller Shin-Etsu nimmt einem Kunden zufolge bereits keine neuen Aufträge für Dysprosium-haltige Magnete mehr an. Das Unternehmen lehnte eine ‌Stellungnahme ab. Der japanische Handelsminister Ryosei Akazawa hält sich derzeit zu Gesprächen in China auf - er ist das höchstrangige Regierungsmitglied, das die Volksrepublik seit der Verschärfung des Streits besucht.

Der ​Schritt erinnert an das Vorgehen Chinas im Jahr 2010, als ​die Volksrepublik schon einmal die Ausfuhr Seltener ​Erden nach Japan drosselte. Japan ist seitdem jedoch besser auf einen möglichen Mangel vorbereitet. Die Regierung in ‌Tokio hat Lagerbestände aufgebaut, die heimische Industrie hat den Einsatz der Rohstoffe reduziert und zudem in alternative Förderprojekte investiert, etwa beim australischen Konzern Lynas. Es dürfte aber noch Jahre ​dauern, Lieferungen ​aus China zu ersetzen. So produzierte ⁠Lynas im ersten Quartal acht Tonnen Dysprosium und Terbium, ​während China 2024 monatlich ⁠etwa 14 Tonnen der beiden Mineralien nach Japan exportierte. Einige Unternehmen wie TDK erwarten ‌nach eigenen Angaben aber zunächst keine grösseren Auswirkungen. Der Konzern versuche aber, seine Zulieferung breiter aufzustellen.

Die Volksrepublik betrachtet das demokratisch regierte Taiwan als ‌Teil ihres Staatsgebiets. Sie strebt eine Eingliederung an und schliesst ​dabei auch militärische Gewalt nicht aus. Taiwans Regierung weist die Ansprüche zurück. 

(Reuters)