Seoul/Peking, 02. Jan (Reuters) - Der chinesische Präsident Xi Jinping empfängt den südkoreanischen Präsidenten Lee Jae-myung ab Sonntag zu einem Staatsbesuch. Es ‌ist ‌das zweite Treffen zwischen Xi und Lee innerhalb von nur zwei Monaten.

Der Besuch findet vor dem Hintergrund angespannter Beziehungen zwischen China und Japan ​wegen Taiwan statt. Laut Analysten ist Xis ‌Einladung ein kalkulierter Schritt, um ‌die bilateralen Beziehungen zu vertiefen, noch bevor der südkoreanische Staatschef Lee Japan besucht.

«China will die Bedeutung Südkoreas etwas stärker als bisher hervorheben», sagte Kang Jun-young, Professor für politische Ökonomie an der Hankuk-Universität für ⁠Auslandsstudien, am Freitag. China habe offenbar die strategische Entscheidung getroffen, dass es besser sei, sich mit Lee in China zu treffen, bevor ​dieser erneut zu einem Gipfeltreffen nach Japan reise.

Die ‌Beziehungen zwischen China und Japan befinden ‍sich zurzeit auf einem Tiefpunkt. Die japanische Ministerpräsidentin Sanae Takaichi hatte im November ​erklärt, ein hypothetischer chinesischer Angriff auf Taiwan könne eine militärische Reaktion Tokios auslösen.

Unter Lees Vorgänger Yoon Suk-yeol gab es zwischen China und ‌Südkorea Spannungen wegen dessen engerer Anlehnung an ⁠Washington und Tokio sowie seiner Kritik ‌am Umgang Chinas mit Taiwan. China ist Südkoreas grösster Handelspartner. Die Regierung Lees hatte ‍erklärt, sie werde die Verbindungen mit China «wiederherstellen». Im Dezember hatte der südkoreanische Regierungschef erklärt, er werde in dem ​diplomatischen Streit zwischen China und Japan keine Seite ergreifen.