«Besorgniserregend ist, wie schnell sich die Branche dort entwickelt», sagte Fabien Chevalier, Vorsitzender des französischen Branchenverbands CIFOG. Nach Einschätzung von Experten könnte die Volksrepublik in diesem oder im kommenden Jahr zum grössten Produzenten der Welt aufsteigen. Während die französische Produktion im vergangenen Jahr um drei Prozent auf 15.044 Tonnen schrumpfte, stieg die Erzeugung in China Schätzungen zufolge um rund 30 Prozent auf bis zu 14.000 Tonnen. Auf beide Länder zusammen entfallen mehr als 80 Prozent der weltweiten Produktion.
Bislang wird chinesische Foie Gras vor allem in China selbst verzehrt; auf dem stark wachsenden Binnenmarkt wird sie deutlich günstiger angeboten als in Europa. Eine Portion im Restaurant kostet in China umgerechnet vier bis zehn Dollar, während in Frankreich 15 bis 40 Euro fällig werden. Staatliche Subventionen treiben das Wachstum der chinesischen Branche zusätzlich an. Die Züchter dort füttern die Tiere zudem besonders intensiv, sodass deren Lebern deutlich grösser werden. Während eine in Frankreich erzeugte Stopfleber meist weniger als 750 Gramm wiegt, erreichen chinesische Exemplare oft mehr als ein Kilogramm. Nun wenden sich die chinesischen Produzenten verstärkt Auslandsmärkten zu. Analysten erwarten, dass China besonders in Wachstumsmärkten in Südostasien und im Nahen Osten zu einem starken Rivalen für Frankreich wird.
Der französische Verbandschef Chevalier gab sich jedoch zuversichtlich, dass Verbraucher in Europa regionalen Erzeugnissen mit geschützter geografischer Angabe treu bleiben werden. Der europäische Markt sei zudem streng reguliert. Der Export ist für chinesische Züchter bislang schwierig: Strenge chinesische Zollvorschriften verlangen den Nachweis, dass die Ware keine Rückstände von hunderten Chemikalien enthält, und halten die Ausfuhren nach offiziellen Angaben noch bei weniger als fünf Prozent der Produktion. Dennoch bereiten sich grosse chinesische Agrarkonzerne auf Lieferungen nach Europa und in andere asiatische Märkte vor. Tierschutzbedenken, die in westlichen Ländern immer wieder zu Kritik an der Zwangsfütterung führen, spielen in China kaum eine Rolle.
(Reuters)

