Die Erzeugerpreise erhöhten sich um 4,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt am Donnerstag in Peking mitteilte. Das ist bereits der vierte Anstieg in Folge. Das setzt die Gewinnspannen der Hersteller unter Druck, da sie die gestiegenen Kosten wegen der schwachen Inlandsnachfrage kaum an die Kunden weitergeben können.
Die chinesische Wirtschaft entwickelt sich derzeit zweigeteilt: Während ein weltweiter, durch Künstliche Intelligenz (KI) gestützter Exportboom die moderne Fertigungsindustrie stützt, bremsen schwache Konsumausgaben, geringe Investitionen und die Krise am Immobilienmarkt die Binnennachfrage. Die gleichzeitig veröffentlichten Daten zu den Verbraucherpreisen unterstreichen die schwache Inlandsnachfrage. Die Inflationsrate sank im Juni auf 1,0 Prozent, von 1,2 Prozent im Mai. Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Energie- und Lebensmittelpreise ausklammert, erreichte mit ebenfalls 1,0 Prozent den niedrigsten Stand seit Januar.
Analysten zufolge ist der deutliche Anstieg der Erzeugerpreise zum Teil auf eine niedrige Vergleichsbasis aus dem Vorjahr zurückzuführen. Zudem hätten die Spannungen zwischen den USA und dem Iran die Energiepreise vorübergehend in die Höhe getrieben.
Ökonomen gehen davon aus, dass die niedrige Gesamtinflation der chinesischen Zentralbank Spielraum für eine Lockerung ihrer Geldpolitik lässt. «Dieses Inflationsniveau dürfte die Zentralbank nicht von geldpolitischen Massnahmen abhalten», sagte Lynn Song, Chefvolkswirtin für China bei der Bank ING. Die Regierung in Peking versucht zudem, den sogenannten «involutorischen» Wettbewerb einzudämmen. Damit sind ruinöse Preiskämpfe gemeint, die in Branchen wie der Elektroauto- und Solarindustrie die Gewinnmargen der Unternehmen schmälern und deflationäre Tendenzen verstärken.
(Reuters)

