Das vom Tech-Riesen Alibaba unterstützte Start-up Moonshot AI präsentierte sein neues Sprachmodell «Kimi K3», das nach eigenen Angaben mit den Spitzenmodellen der US-Konkurrenten OpenAI und Anthropic in einer Liga spielt. Der Launch sorgt in der Branche für Aufsehen und schürt in den USA Sorgen um den schwindenden technologischen Vorsprung.
Das «grösste offene Modell» der Welt
Mit 2,8 Billionen Parametern ist Kimi K3 laut Angaben des Unternehmens das bislang weltweit grösste Open-Source-KI-Modell. Die Parameterzahl ist ein Indikator für die Leistungsfähigkeit und Komplexität eines Systems. Das Modell soll vollständig bis Ende Juli 2026 für Entwickler weltweit frei zugänglich gemacht werden.
Moonshot AI verwies bei der Präsentation auf die Ergebnisse von Tests, die zeigten, dass Kimi K3 zumindest bei Programmieraufgaben und komplexen Anwendungen Modelle wie Claude Opus 4.8 von Anthropic und GPT 5.5 von OpenAI übertreffe. Diese Testergebnisse konnten von unabhängiger Seite nicht validiert werden.
Der Vorsprung von OpenAI und Anthropic schrumpft
Gleichzeitig räumte Moonshot AI ein, dass das neue System insgesamt noch leicht hinter den absoluten, proprietären US-Spitzenmodellen - namentlich Claude Fable 5 und OpenAIs brandneuem GPT-5.6 Sol - zurückbleibe, der Abstand schrumpfe jedoch rasant. Beobachter ziehen bereits Parallelen zum sogenannten «DeepSeek-Moment» Anfang 2025, als ein chinesisches Modell erstmals US-Dominanz-Annahmen erschütterte und die Tech-Aktienmärkte weltweit einbrechen liess.
Chinesische KI-Modelle haben seitdem weltweit an Bedeutung gewonnen, unter anderem weil viele davon als freie Open-Source-Software zur Verfügung gestellt werden und damit im Betrieb in der Regel kostengünstiger sind als westliche KI-Versionen.
Harter Wettbewerb und Spionage-Vorwürfe
Die Präsentation von Kimi K3 fällt in eine Phase grosser geopolitischer Spannungen. Experten gehen nach einem Bericht des «Wall Street Journals» davon aus, dass der Vorsprung der USA auf chinesische KI-Labore mittlerweile auf nur noch sechs bis neun Monate geschmolzen ist. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump versucht, Chinas Fortschritt durch strenge Exportkontrollen für leistungsstarke Mikrochips, die für das Training von KI unerlässlich sind, auszubremsen.
Gleichzeitig werden schwere Vorwürfe aus dem Silicon Valley laut: KI-Giganten wie Anthropic beschuldigen Moonshot AI und andere chinesische Firmen, amerikanische Spitzentechnologie illegal angezapft zu haben. Durch eine Methode namens «Distillation» sollen sie die Fähigkeiten von US-Modellen extrahiert haben, um damit die eigenen chinesischen Systeme zu trainieren. Die US-Regierung stuft dieses Vorgehen als feindlich ein und hat ein hartes Durchgreifen angekündigt. Aus Sicherheitsbedenken verzögerten die USA zuletzt sogar die Veröffentlichung der neuesten US-Modelle.
Xi Jinping fordert Ende der US-Monopole
Die Staats- und Parteiführung in Peking nutzt den technologischen Aufwind indes für eine politische Botschaft. Pünktlich zur Veröffentlichung von Kimi K3 eröffnete Chinas Staatschef Xi Jinping die World AI Conference in Shanghai. Xi forderte im KI-Wettstreit mit den USA mehr Kontrolle über die Nutzung Künstlicher Intelligenz und einen offeneren Zugang zu der mächtigen Technologie. «Wir sollten das Risikobewusstsein stärken und gewährleisten, dass KI sicher und kontrollierbar ist», sagte er. Xi sprach sich für eine Kombination aus Gesetzen, Überwachung und Frühwarnsystemen aus, um missbräuchliche Nutzung von KI zu verhindern.
Die erste Rede des Präsidenten bei der seit 2018 jährlich stattfindenden Konferenz zeigt die gestiegene Bedeutung von KI für die regierende Kommunistische Partei. Xi warb dafür, die Technologie gemeinsam zu entwickeln und liess durchklingen, dass nationale Sicherheit nicht als Grund vorgeschoben werden sollte, KI-Modelle für andere zu blockieren.
Für Moonshot AI dürfte sich unterdessen der technologische Durchbruch auch finanziell auszahlen. Das Unternehmen wird in einer aktuellen Finanzierungsrunde mit 31,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Berichten zufolge bereitet das Start-up bereits einen Börsengang in Hongkong vor, um weiteres Kapital für den kostspieligen Wettbewerb um die KI-Krone einzusammeln.
(AWP)

