Die Schiffslieferungen von Rohöl in die Volksrepublik dürften im Mai auf den niedrigsten Stand seit einem Jahrzehnt fallen, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Daten von auf den Schiffsverkehr spezialisierten Analysefirmen hervorgeht. Der Iran war vor Kriegsausbruch vor gut drei Monaten der wichtigste Lieferant von Rohöl, doch ist die Strasse von Hormus seither weitgehend gesperrt, durch die normalerweise etwa ein Fünftel des weltweiten Ölverbrauchs fliesst.
Um die geringeren Einfuhren auszugleichen, entnehmen die Raffinerien seit Anfang Mai rund eine Million Barrel pro Tag aus den kommerziellen Lagern. Chinesische Raffinerien machen derzeit hohe Verluste, da die Regierung die Benzinpreise an den Zapfsäulen gedeckelt hat, um die Verbraucher vor den weltweit hohen Rohstoffkosten zu schützen. Grosse staatliche Konzerne wie Sinopec sowie unabhängige Raffinerien haben daher ihre Produktion gedrosselt und planen, dies auch im Juni beizubehalten.
Möglich wird diese Strategie durch die in den Vormonaten aufgebauten Rekordbestände. Insbesondere durch umfangreiche Käufe von verbilligtem Öl aus Russland und dem Iran waren die Lager zu Jahresbeginn stark gefüllt worden. Analysten zufolge verfügt China selbst bei einer schnelleren Entnahme noch über genügend Reserven für mehrere Monate, ohne auf dem angespannten Weltmarkt aggressiv einkaufen zu müssen.
Die Nachfrage im Inland bleibt unterdessen verhalten. Die Bestände an Benzin und Diesel sind auf dem höchsten Stand seit Jahren, auch weil immer mehr Menschen auf Elektroautos oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
(Reuters)

