Die chinesische Wirtschaft hat im April deutlich an Schwung verloren. Sowohl die Industrieproduktion als auch die Einzelhandelsumsätze blieben weit hinter den Erwartungen zurück, ‌da ⁠höhere Energiekosten infolge des Krieges im Iran und eine schwache Binnennachfrage das Wachstum bremsten. Die ⁠Industrieproduktion sei im vergangenen Monat im Jahresvergleich um 4,1 Prozent gestiegen, teilte das Nationale Statistikamt (NBS) am Montag ‌in Peking mit. Dies ist das schwächste Wachstum seit ‌Juli 2023. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte ​Analysten hatten mit einem Plus von 5,9 Prozent gerechnet. Die Einzelhandelsumsätze, ein wichtiger Indikator für den Konsum, legten lediglich um 0,2 Prozent zu und verzeichneten damit den geringsten Anstieg seit Dezember 2022.

Die Zurückhaltung der Verbraucher zeigte sich besonders deutlich auf dem Automarkt: Die ‌inländischen Autoverkäufe brachen im April um 21,6 Prozent ein und verzeichneten damit den siebten monatlichen Rückgang in Folge. Zudem schrumpften die Anlageinvestitionen in den ersten vier Monaten des Jahres ​um 1,6 Prozent. Ökonomen führten dies unter anderem auf starke Regenfälle ​in Teilen Südchinas sowie die anhaltende Krise auf dem ​Immobilienmarkt zurück. Die April-Daten deuten darauf hin, dass die Dynamik des ersten Quartals bereits wieder nachlässt. In ‌den ersten drei Monaten des Jahres war die Wirtschaft noch um 5,0 Prozent gewachsen und lag damit am oberen Ende der Zielspanne der Regierung.

Der Konflikt im Nahen Osten ​birgt ​nach Einschätzung von Experten weitere Risiken für ⁠die chinesische Wirtschaft. Zwar hätten besser als erwartet ausgefallene ​Exporte und staatliche Preiskontrollen bei ⁠Kraftstoffen geholfen, den Energieschock abzufedern. Höhere Beschaffungskosten könnten jedoch die Gewinnmargen der Hersteller schmälern ‌und den Konsum weiter belasten, sollte der Krieg andauern. Die politische Führung in Peking hat als Reaktion auf die externen Schocks zugesagt, die Energiesicherheit ‌des Landes zu stärken und die technologische Unabhängigkeit voranzutreiben. Das ​Politbüro bekräftigte zudem seine bisherige Finanz- und Geldpolitik, was darauf hindeutet, dass vorerst keine zusätzlichen Konjunkturprogramme geplant sind.

(Reuters)