Chinesische Marmorfirma - Aktie mit weltbester Performance bricht ein

MSCI hat Pläne zur Aufnahme einer hochschiessenden Hongkonger Aktie in seine Indizes aufgegeben. Der Grund: Bedenken hinsichtlich der Investierbarkeit. Das blieb nicht ohne Folgen für die Aktie.
21.11.2019 18:22
ArtGo Holdings aus China stellt Marmorplatten her, hat aber auch in andere Bereich wie Immobilien expandiert (Symbolbild).
ArtGo Holdings aus China stellt Marmorplatten her, hat aber auch in andere Bereich wie Immobilien expandiert (Symbolbild).
Bild: pixabay.com

Diese seltene Trendwende liess den Kurs um 98 Prozent abrutschen. ArtGo Holdings hatten in diesem Jahr fast 3'800 Prozent zugelegt und damit die weltweit beste Kursentwicklung unter allen Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mindestens 1 Milliarde Dollar aufgewiesen. Innerhalb von Minuten nach der Entscheidung von MSCI wurde der Zuwachs wieder fast vollständig ausgelöscht. Der Marmorhersteller, der auch in andere Geschäfte wie Immobilien expandiert hat, büsste mehr als 5,7 Milliarden Dollar an Marktwert ein, bevor der Handel ausgesetzt wurde.

MSCI hatte vor zwei Wochen angekündigt, ArtGo in seine Indizes aufzunehmen. Am Mittwoch erklärte der Indexbetreiber, dass dies nach "weiteren Analysen und Rückmeldungen der Marktteilnehmer zur Investierbarkeit" nicht mehr der Fall sei. Ein Sprecher von ArtGo sagte, das Unternehmen könne sich nicht umgehend dazu äussern.

Die ArtGo-Rally hatte Veteranen am lokalen Markt überrascht. Der prominente aktivistische Investor David Webb warnte im September vor einer "Blase” bei der Aktie. Sie war das jüngste Beispiel in einer Reihe von extremen und unerklärlichen Kursauschlägen in Hongkong, die den Finanzmarkt der Stadt in ein unschönes Licht gerückt hat. Einige Beobachter argumentierten daher, dass MSCI und seine Wettbewerber verhindern sollten, dass solche Aktien in Indizes aufgenommen werden, die Investments im Wert von Billionen von Dollar steuern.

"Es ist gut, dass MSCI auf die Aussagen der Marktteilnehmer hört”, sagte Daniel So, Stratege von CMB International Securities telefonisch. "Es ist positiv für die Marktgesundheit. Wenn man sich nur auf Daten wie die Marktkapitalisierung konzentriert, ist es kaum zu vermeiden, einige Titel mit Blasen in die Benchmark aufzunehmen. Es ist also gut, dass MSCI eine Fall-zu-Fall-Prüfung vornimmt."

Kritik an MSCI

MSCI wurde Anfang des Jahres dafür kritisiert, die an der Hongkonger Börse notierte China Ding Yi Feng Holding in seine Indizes aufgenommen zu haben. Das Unternehmen hatte über einen Zeitraum von fünf Jahren einen Kurssprung von 8.500 Prozent verzeichnet, obwohl wiederholt operative Verluste gemeldet wurden. Später setzte Hongkongs Wertpapieraufsichtsbehörde den Handel aus und erklärte, sie untersuche verdächtige Transaktionen bei DYF, nachdem dessen Preis auf ein "irrational hohes" Niveau gestiegen war.

Zu der Zeit gab MSCI an, bei der Auswahl der Unternehmen für ihre Indizes quantitative Kriterien wie Marktwert, Streubesitz und Liquidität zu verwenden und keine Beurteilungen über Rentabilität, Wachstumsaussichten oder "sonstige subjektive" Messgrössen vorzunehmen.

Die Indexentscheidungen von MSCI und seinen Konkurrenten haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung für Aktienmärkte gewonnen, dank der wachsenden Popularität von passiven Anlagestrategien. Multimilliarden-Dollar-Fonds von BlackRock, Vanguard und Northern Trust kauften die Aktien von DYF, nachdem die Titel in die MSCI-Indizes aufgenommen worden waren.

MSCI reagierte nicht umgehend auf eine Bitte um Stellungnahme zu ArtGo. FTSE Russell, der die Aktie in einem seiner China-Indizes hat, lehnte eine Stellungnahme ab, ebenso wie Sprecher der Hongkonger Börse und der Securities and Futures Commission der Stadt. Bloomberg LP, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, konkurriert mit MSCI und anderen Unternehmen, da sie Indizes erstellt und Analysen für Aktien, Anleihen und Rohstoffe bereitstellt.

(Bloomberg)

 

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