Die Commerzbank wirft der italienischen Grossbank Unicredit im Ringen um ihre Übernahme falsches Spiel vor. «Nach Auffassung der Commerzbank liefern die von der UniCredit kommunizierten Meldungen weiterhin nicht ‌die erforderliche ⁠Transparenz und können nicht als Beleg für eine unabhängige Unterstützung der Aktionärinnen und Aktionäre für das ⁠Angebot gewertet werden», teilte die Commerzbank am Mittwoch mit, nachdem der Rivale am Dienstag einen weiter steigenden Anteil an ‌dem Frankfurter Geldhaus vermeldet und seinerseits Kritik an dessen Abwehrstrategie ‌geübt hatte. «Die Commerzbank erwartet im Interesse der Markttransparenz, dass ​die UniCredit und die mit ihr in Verbindung stehenden Banken und Parteien die wesentlichen Elemente der den Absicherungs- und Derivatgeschäften zugrundeliegenden Vereinbarungen offenlegen», hiess es weiter.

Unicredit hatte am Vortag erklärt, bei dem laufenden Übernahmeangebot seien inzwischen 10,9 Prozent der Commerzbank-Aktien angeboten worden. Wenige Tage vor Ablauf der Offerte hat ‌UniCredit-Chef Andrea Orcel 37,7 Prozent an dem deutschen Rivalen sicher, einschliesslich Termingeschäften sind es schon 40,9 Prozent. Zusätzlich halten die Italiener noch andere Terminkontrakte, für die zwar grundsätzlich ein Barausgleich vorgesehen ist, die ​ihnen aber bei einer ebenfalls möglichen Bezahlung in Aktien weitere 13,19 Prozent ​an der Commerzbank bringen könnten. Damit hätte Unicredit eine ​Mehrheit an Deutschlands zweitgrösster börsennotierter Bank.

Dass UniCredit eine Woche vor Fristende schon so viele Aktien eingesammelt hat, hatte Beobachter überrascht, ‌weil die Tauschofferte weiterhin rechnerisch unter dem Kurs der Commerzbank-Aktie liegt - und die Kursziele von Analysten noch höher sind. Zudem dienen institutionelle Investoren ihre Papiere in aller Regel erst in den letzten Tagen ​einer ​Übernahmefrist an.

Die Commerzbank könne keinen einzigen institutionellen Investor identifizieren, ⁠der Aktien angedient habe, teilte das Geldhaus weiter mit. Sie ​hege den Verdacht, dass ⁠die Papiere fast ausschliesslich von mit UniCredit verbundenen Banken und Parteien stammten. Es sei zudem aus ‌ihrer Sicht nicht auszuschliessen, dass der «Anstieg der Wertpapierleihe-Aktivitäten mit dem Annahmeverhalten einzelner Banken und Parteien, die mit der UniCredit verbunden sind, in Zusammenhang steht». Die Commerzbank übermittele ihre Erkenntnisse ‌auch der Finanzaufsicht BaFin.

Unicredit hatte zuvor die Abwehrstrategie der deutschen Geschäftsbank kritisiert: ​Die Führung der Commerzbank habe jedes Recht, von der Annahme des Übernahmeangebots abzuraten. «Sie ist jedoch nicht berechtigt, die Integrität des Bieterverfahrens zu untergraben, indem sie unbegründete Vorwürfe erhebt».

(Reuters)