Der Grossaktionär habe mit einem finanziell unattraktiven Angebot eine Mehrheit erreichen können, ohne den Aktionären eine angemessene Kontrollprämie zu zahlen, sagte Weidmann der «Süddeutschen Zeitung» laut Vorabbericht vom Sonntag. Von den rund 73 Prozent der Aktien, die der Unicredit hätten angeboten werden können, seien nur knapp 18 Prozent angedient worden. Davon stammten weniger als drei Prozent von institutionellen und privaten Investoren, während der Rest auf mit Unicredit verbundene Banken entfalle. Dies werfe Fragen auf, die der Gesetzgeber prüfen sollte.
Zugleich warnte der frühere Bundesbank-Präsident vor massiven Einschnitten bei der Commerzbank im Inland. Um nach den Plänen von Unicredit binnen zwölf Monaten 1,3 Milliarden Euro einzusparen, müsse auch in Deutschland stark gekürzt werden. Dennoch bot er Unicredit-Chef Andrea Orcel strategische Gespräche an. Nach der langen Übernahmeschlacht müsse zunächst wieder Vertrauen entstehen, so Weidmann. Zuletzt hatte es zwischen Orcel und Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp lediglich einen Austausch auf technischer Ebene gegeben.
Der Bund solle in der aktuellen Phase weiterhin Aktionär der Commerzbank bleiben, um die Interessen des Standorts Deutschland aktiv zu vertreten, forderte Weidmann. Da die Beteiligung Teil einer Rettungsmassnahme während der globalen Finanzkrise gewesen sei, solle sich der Staat perspektivisch zwar zurückziehen. Derzeit sei ein Verbleib jedoch sinnvoll. Als Berlin vor zwei Jahren einen Teil seiner Anteile verkaufte, hatte Unicredit dies zum Einstieg genutzt. Der Bund hält jetzt noch zwölf Prozent. Auch Orcel hatte kürzlich erklärt, es könne hilfreich sein, wenn der Bund vorerst an Bord bleibe.
Die Bundesregierung hatte jüngst zurückhaltend auf einen Medienbericht reagiert, wonach sie bereit sei, die staatlichen Anteile an der Commerzbank zu veräussern. Die italienische Grossbank hat sich rund die Hälfte der Commerzbank-Anteile gesichert. Die Bundesregierung hatte den Übernahmeversuch der Unicredit gegen den Willen der Commerzbank immer wieder scharf kritisiert.
(Reuters)

