Corona-Schutz - Der Impfpass wird zum Hoffnungsträger der Reisebranche

Ein von der EU angestrebter digitaler Impfpass stösst in der Tourismus- und Luftfahrtbranche auf positives Echo - dürfte aber allein nicht für einen Durchbruch zum uneingeschränkten Reisen reichen.
27.02.2021 14:55
Beliebtes Reiseziel: Gebäude an der Carrer Gran de Gràcia in Barcelona.
Beliebtes Reiseziel: Gebäude an der Carrer Gran de Gràcia in Barcelona.
Bild: cash

"Wichtig ist eine Kombination aus impfen und testen", sagt eine Sprecherin des Deutschen Reiseverbands (DRV). Denn bisher laufe die Impfkampagne viel zu langsam an. "Ein europäischer Impfpass kann dabei helfen, Reisefreiheit wiederherzustellen. Daran besteht kein Zweifel", betont der Chef des weltgrössten Tourismuskonzerns TUI, Fritz Joussen.

Mit einem EU-einheitlichen Nachweis könne die Politik eine wichtige Basis für das Reisen im Sommer schaffen. "So lange nicht alle geimpft sein können, sind Schnelltests der zweite wichtige Baustein für sicheren Urlaub."

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Donnerstag nach einer Videokonferenz mit den Staats- und Regierungschefs der EU gesagt, man sei sich einig, dass die EU-Staaten innerhalb von drei Monaten einen digitalen Impfpass entwickelten. Dieser solle noch vor dem Sommer zur Verfügung stehen. Allerdings könne der Pass für Geimpfte nicht alleiniges Kriterium für Reisen sein. Es kämen auch Negativtests infrage.

Denn etwa Kinder könnten derzeit überhaupt nicht geimpft werden, sagte Merkel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederum verwies darauf, dass es ungerecht wäre, wenn im Sommer junge Erwachsene nicht reisen dürften, weil sie anders als Ältere noch nicht geimpft werden konnten. Wegen dieser Gerechtigkeitsfragen forderte Gesundheitsminister Jens Spahn eine Entscheidung im Bundestag.

Digitaler Impfpass stösst auf Interesse

Ein digitaler Impfpass sorgt bei vielen Menschen in Deutschland bereits jetzt für grosses Interesse. Rund 64 Prozent würden ihn etwa per Smartphone-App anstelle des gelben Impfpasses aus Papier nutzen, wie aus einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom hervorgeht. Viele sehen demnach Vorteile für Reisen oder Besuche von Veranstaltungen.

Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) begrüsst im Grundsatz die geplante Einführung des digitalen Impfpasses. "Denn wer nachweislich geimpft ist, sollte in jedem Fall von Quarantänebestimmungen ausgenommen werden", sagt BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow. Doch es werde noch lange dauern, bis grosse Teile der Gesellschaft durchgeimpft seien. "Entscheidend ist daher, dass wir endlich auch praktikable Regelungen für die nächsten Wochen und Monate festlegen, in denen der Grossteil der Menschen noch nicht geimpft ist."

Dabei sollten die kaum kontrollierbaren Quarantänepflichten durch eine wirksame Teststrategie ersetzt werden. "Das schafft mehr Sicherheit bei der Infektionskontrolle und ermöglicht gleichzeitig wieder notwendige Mobilität."

Hotels könnten Impfung verlangen

Jüngst hatte Alltours für Aufsehen gesorgt. Als erster grosser deutscher Reiseveranstalter hat das Unternehmen angekündigt, voraussichtlich ab 31. Oktober Urlaub in der eigenen Hotelkette Allsun auf Mallorca, den Kanaren und Griechenland nur noch mit Corona-Impfung zu ermöglichen. Die Konkurrenten TUI oder FTI planen keine solchen Auflagen. In der Branche hiess es, Alltours habe marketingtechnisch womöglich ein Eigentor geschossen.

Tourismusländer wie Griechenland dringen derweil auf eine schnelle Einführung des digitalen Impfpasses, um Touristen etwa aus Israel empfangen zu können, wo schon besonders viele Menschen geimpft sind. Die EU-Kommission warnt aber, einzelne EU-Länder dürften nicht einfach bei der Einreise in den Schengen-Raum mit nationalen Sonderregelungen ausscheren.

Gesundheitsnachweise Schlüssel für Fluggesellschaften

Die British-Airways-Mutter IAG setzt nach einem Rekordverlust im vergangenen Jahr nun zur Belebung des Geschäfts auf die Hilfe von Impfnachweisen. "Gesundheitspässe werden der Schlüssel sein, um Flüge und Reisen wieder zu starten", sagt IAG-Chef Luis Gallego. Er spricht sich für ein digitales System aus, mit dessen Hilfe Impfungen und Testergebnisse nachgewiesen werden können. Die Lufthansa hält eine Vereinheitlichung und Digitalisierung, die das Reisen einfacher macht, für wünschenswert.

Der Konzern hat ein Pilotprojekt gestartet, um Corona-Testergebnisse von Passagieren digital in seine Systeme einzuspeisen und das Check-In sowie Boarding damit zu beschleunigen. "Wir selbst haben nicht vor, eine Impfpflicht für unsere Flüge einzuführen", sagt ein Sprecher. Entscheidend seien hier die Einreisevorgaben von Staaten. 

(Reuters)