Eine neue Fabrik zur Fertigung von Spezial- und Fernverkehrslastwagen werde ab Ende dieses Jahres gebaut und solle in drei Jahren den Betrieb aufnehmen, kündigte Daimler Truck am Donnerstagabend an. Daimler-Chefin Karin Radström erklärte dazu am Freitag, Zölle zu vermeiden, sei aber nicht der Beweggrund dieser strategischen Entscheidung. Der US-Marktführer für Schwerlaster wolle vielmehr expandieren, insbesondere im noch kleinen Geschäft mit Baustellen- und anderen Einsatzfahrzeugen abseits der Highways.
«Das neue Produktionswerk stärkt unsere Wachstumspläne für Nordamerika», sagte Radström. Die Produktionskapazität werde mit dem künftig grössten Werk in den USA, dessen Standort bald feststehen soll, erweitert. Die Steuerung der Produktion im Verbund mit den Standorten in Mexiko werde flexibler. Ein nagelneues Werk könne ausserdem mit modernster Technik ausgestattet werden und dank hochgradiger Automatisierung sehr effizient sein. Die Fertigung in den Werken in Mexiko soll nicht schrumpfen, obwohl diese mit US-Importzoll belegt sind. In den USA bleibt es bei sieben Montage- und Komponentenwerken, da Daimler Truck zugleich eine kleine Fabrik am Unternehmenssitz Portland/Oregon mit 370 Beschäftigten schliesst. Der Standort sei logistisch ungünstig gelegen, da die Kunden vorwiegend an der Ostküste seien.
Wende in den USA
Die unter US-Präsident Donald Trump erhöhten Einfuhrzölle belasteten noch das Ergebnis im zweiten Quartal. Die dazu am 22. Juli bereits veröffentlichten Zahlen bestätigte der Dax-Konzern. Trotz eines Umsatzanstiegs um sechs Prozent auf 11,4 Milliarden Euro sank der bereinigte Betriebsgewinn von April bis Juni um 18 Prozent auf 838 Millionen Euro. Grund war der Gewinneinbruch in den USA um ein Drittel.
Zugleich markierte das Quartal die Wende auf dem wichtigen US-Markt, wo Daimler mit seiner Marke Freightliner führender Anbieter von Schwerlastern ist. Zum einen erhielt Daimler die Zusage, dass der Einfuhrzoll um Wertschöpfungsanteile in den USA reduziert wird. Um wie viel genau, wollte Finanzchefin Eva Scherer nicht sagen. Auch Vermutungen von Analysten, die Investition in einen weiteren grossen Standort habe bei der Genehmigung des Zolldeals geholfen, kommentierte sie nicht.
Auftragseingang unter den Erwartungen
Nach einer langen Flaute zieht in den USA die Nachfrage der Spediteure nach neuen Fahrzeugen wieder an. Daimler ist zuversichtlich, dass es sich nicht nur um den Ersatz einer gealterten Flotte handelt, sondern das Transportgewerbe auch wieder wachsen wird. Der Auftragseingang in den USA war im zweiten Quartal mit 35,4 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Die konzernweite Bestellzahl von 74.000 Einheiten lag aber unter den Erwartungen und war ein Drittel niedriger als im ersten Quartal. Händlern zufolge gab deshalb die Aktie des Dax-Konzerns mehr als drei Prozent nach.
Daimler hat wegen besserer Aussichten in den USA den Jahresausblick angehoben. Bei 43 bis 47 Milliarden Euro Umsatz (Vorjahr 42,1 Milliarden Euro) soll das bereinigte Betriebsergebnis mit 3,6 bis 4,1 Milliarden Euro um 400 Millionen Euro höher ausfallen als ursprünglich erwartet. Die Prognose für das Europa-Geschäft mit der Marke Mercedes-Benz blieb unverändert mit einer Renditespanne von sechs bis acht Prozent. Von den zu Jahresbeginn erhofften positiven Impulsen durch die angekündigten milliardenschweren staatlichen Investitionen in Infrastruktur in Deutschland sei noch nichts zu spüren, sagte Scherer.
(Reuters)

