Superreiche Leute, riesige Malls, endloser Bauboom, weitgehende Steuerfreiheit und vom Staat bezahlte Influencer, welche das Image der Glitzerwelt befeuern. So präsentierten sich Dubai oder Abu Dhabi in den letzten Jahren oder gar Jahrzehnten. Die nicht eben wenigen Konflikte im Nahen Osten - das alles schien an den Vereinigten Arabischen Emiraten vorbeizugehen.

Das Modell hatte Erfolg: Die Emirate zogen Scharen von hoch qualifizierten Arbeitskräften an. Es bildeten sich Finanzzentren - wenig reguliert zwar, sie zogen aber immer mehr Hedgefonds oder Kryptofirmen an. Am Paradeplatz in Zürich, am Genfersee oder im Crypto Valley Zug blickten sie mit Argwohn auf diese Entwicklung.

Und nun dies: Angriffe auf Amazon-Rechenzentren und Ölförderanlagen, herabstürzende Raketentrümmer, brennende Luxushotels, Hamsterkäufe in Supermärkten und Leute, die panikartig Schutzräume aufsuchen. Die Golfstaaten stehen mitten im Iran-Konflikt. Die latent vorhandene Kriegsgefahr in der Region - sie wurde völlig unterschätzt.

Zwar mag der physische Schaden in den Emiraten über alles gesehen bislang relativ gering sein. Doch das Image etwa von Dubai als «neue Schweiz» und als sicherer Hafen hat Risse erhalten. Die Bilder des lahmgelegten Flughafens von Dubai, dem verkehrsreichsten der Welt, die Evakuierungsflüge – sie werden nicht so schnell in Vergessenheit geraten.

Schadenfreude ist fehl am Platz. Doch wo es in Kriegen und Konflikten Verlierer gibt, gibt es Profiteure - oder sie fühlen sich zumindest so. In der Schweiz bestehen Hoffnungen auf eine Reallokation von Vermögenswerten. Das heisst eine Rückführung von Assets in die Verlässlichkeit und Sicherheit - quasi eine Renaissance des Finanzplatzes Schweiz in einer Welt, die zunehmend aus den Fugen gerät. «Internationales Kapital ist sehr mobil», kommentierte Nahost-Experte Jim Krane vom Baker Institute der Rice University vor ein paar Tagen bei Reuters die Situation in Dubai. Es klang wie eine Warnung für die dortigen Vermögensverwalter.

Doch erfüllen sich die Schweizer Hoffnungen auch?

Klar: Die Suche nach einer alternativen Heimat für Kapital wird zunehmen, je länger der Iran-Konflikt andauert. Auch die Aussicht eines gescheiterten Staates Iran mit sich bekämpfenden Völkergruppen ist ein Unruhe-Szenario, das sich die Metropolen in den Emiraten nicht wünschen. Aber der Krieg könnte ebenso schnell enden. Dubai & Co. werden dann nichts unversucht lassen, Kapitalflucht mit grosszügigen Bindungsmassnahmen zu verhindern.

Die Schweiz dagegen? Sie ist eher defensiv aufgestellt, wenn es um die Bewerbung von Standortvorteilen geht. Zudem gibt es andere attraktive Finanzzentren bei der Verwaltung grenzüberschreitender Vermögen. Singapur zum Beispiel. Der wichtigste Finanzplatz in Asien wird staatlich gefördert und hat in den letzten 20 Jahren gegenüber der Schweiz massiv aufgeholt.

Selbst Protagonisten des hiesigen Finanzplatzes sind bislang skeptisch. «Es ist zu früh, um sagen zu können, dass Vermögenswerte von der Golfregion zurück in die Schweiz fliessen», sagte diese Woche ein CEO einer Bank in Zürich. «Wir haben bis jetzt lediglich Anfragen von Kunden.» Hoffnungen auf einen Geldrückfluss in die Schweiz - sie könnten in einer Enttäuschung enden.

Daniel Hügli
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