In einer von Bäumen gesäumten Strasse in Nordlondon, die als «Billionaire’s Row» bekannt ist, reihen sich meist leere Luxusvillen hinter hohen Hecken und abgedunkelten Toren aneinander. Während Schulkinder vorbeigehen, patrouillieren private Sicherheitskräfte in dunklen Geländewagen vor den Grundstücken. Doch hinter den Fassaden dieser Prachtimmobilien an der Bishops Avenue verbirgt sich ein Netzwerk, das sich von Teheran über Dubai bis Frankfurt erstreckt. Die wahren Eigentümer dieser Vermögenswerte lassen sich über ein Geflecht von Briefkastenfirmen bis zu einem der mächtigsten Männer des Nahen Ostens zurückverfolgen: Mojtaba Khamenei, der neue Ayatollah und Revolutionsführer des Irans.

Der 56-jährige Kleriker kontrolliert laut Auskünften von Insidern und Einschätzungen einer führenden westlichen Nachrichtendienstbehörde ein ausuferndes Investitionsimperium. Obwohl Khamenei keine Vermögenswerte offen auf seinen Namen registrieren lässt, war er direkt in Geschäfte involviert, die mindestens bis 2011 zurückreichen. Sein finanzieller Einfluss erstreckt sich von Schifffahrtsunternehmen am Persischen Golf über Schweizer Bankkonten bis hin zu britischem Luxusimmobilienbesitz im Wert von über 100 Millionen Pfund (104 Millionen Franken), berichten Quellen, die aus Furcht vor Repressalien oder wegen fehlender Öffentlichkeitsbefugnis anonym bleiben möchten. Dieses Geflecht von Firmen habe Khamenei ermöglicht, Milliarden US-Dollar – trotz der 2019 gegen ihn verhängten US-Sanktionen – in westliche Märkte zu transferieren.

Dazu zählen Spitzenimmobilien in einigen der exklusivsten Viertel Londons – darunter ein 2014 für 33,7 Millionen Pfund erworbenes Anwesen – sowie eine Villa in einem Viertel Dubais, das als «Beverly Hills von Dubai» gilt, und Luxushotels in Frankfurt und Mallorca. Die Gelder für diese Transaktionen flossen über Konten bei Banken in Grossbritannien, der Schweiz, Liechtenstein und den Vereinigten Arabischen Emiraten, wie aus Dokumenten hervorgeht, die Bloomberg vorliegen, und von Insidern bestätigt wird. Die Mittel stammen primär aus iranischen Ölverkäufen, so die Quellen.

Keines der von Bloomberg eingesehenen Dokumente führt Vermögenswerte direkt auf Khameneis Namen zurück. Stattdessen tauchen viele Käufe im Namen eines iranischen Geschäftsmanns, Ali Ansari, auf, der im Oktober 2023 von Grossbritannien sanktioniert wurde.

Lasche Eigentümerregister und unzureichende Sanktionendurchsetzung

Die iranischen Staatsmedien zeichnen ein Bild der Führungsfamilie – Teil einer revolutionären Bewegung, die 1979 im Namen der Armen und des Islams den Schah stürzte – als bescheiden und fromm lebend. Es gibt keine Anzeichen, dass die Familie die ausländischen Vermögenswerte für einen prunkvollen Lebensstil nutzt. Dennoch steht der versteckte Reichtum des jüngeren Khamenei im krassen Widerspruch zu diesem offiziellen Bild der Frömmigkeit – besonders vor dem Hintergrund wachsender Armut und landesweiter Proteste gegen die Islamische Republik, die seit Jahresbeginn tausende Tote gefordert und die Sehnsucht nach der Rückkehr der Monarchie geschürt haben.

Eine einjährige Untersuchung von Bloomberg enthüllt, wie sich das finanzielle Netzwerk der Familie weit über die Grenzen der Islamischen Republik hinaus ausgedehnt hat. Diese Recherche basiert auf Interviews mit Personen, die direkte Kenntnis von Mojtaba Khameneis Finanzgeschäften haben, sowie auf der Auswertung von Immobilienregistern und vertraulichen Geschäftsunterlagen – von Hotelmanagementverträgen bis hin zu Firmenbesitzstrukturen und Banktransfers. Besonders Ali Ansari spielt dabei eine zentrale Rolle, wie die westliche Nachrichtendienstbehörde feststellt. Ansari, der als einflussreiche Graue Eminenz im iranischen Machtgefüge gilt und enge Verbindungen zur Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) unterhält, meidet zwar die öffentliche Bühne, doch sein Einfluss wächst.

Die Geschichte von Khameneis Auslandsinvestitionen zeigt, wie es der iranischen Elite gelungen ist, trotz eines der härtesten Sanktionenregime der Geschichte – verhängt wegen des Atomprogramms und der Unterstützung bewaffneter Gruppen, die sich gegen Israel und westliche Politik im Nahen Osten stellen – Kapital ins Ausland zu transferieren. Diese wirtschaftlichen Druckmittel haben sich seit der Rückkehr Donald Trumps ins Amt 2025 weiter verschärft. Doch Schwächen im globalen Finanzsystem – von laschen Eigentümerregistern bis hin zu unzureichender Sanktionendurchsetzung – ermöglichen es klandestinen Netzwerken, weiter zu gedeihen, wie Experten für illegale Finanzströme betonen. US-Präsident Trump erhöhte den Druck auf den Iran am Mittwoch zusätzlich, indem er mit Militärschlägen gegen das iranische Atomprogramm drohte.

«Mojtaba hat in verschiedenen Unternehmen im In- und Ausland massgebliche Anteile oder de facto die Kontrolle», erklärt Farzad Nadimi, Senior Fellow am Washington Institute for Near East Policy, der das Finanzimperium der Khamenei-Familie untersucht hat. «Wenn man sein Finanznetzwerk analysiert, ist Ali Ansari der Hauptkontoinhaber für ihn. Das macht Ansari zu einem der einflussreichsten Oligarchen im Iran heute.»

Ansari bestreitet über seinen Anwalt vehement, «jemals eine finanzielle oder persönliche Beziehung zu Mojtaba Khamenei» gehabt zu haben, und kündigte an, die britischen Sanktionen gegen ihn anzufechten. Khamenei selbst reagierte nicht auf Anfragen nach Stellungnahmen, die am 12. Januar über das iranische Aussenministerium sowie die Botschaften des Irans in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Grossbritannien übermittelt wurden. Auch das iranische Aussenministerium, sein Pendant in den VAE, das US-Finanzministerium und die Europäische Union antworteten nicht auf Bitten um Kommentare. Das britische Aussenministerium, das Ansari sanktioniert hatte, erklärte, es gebe keine Auskünfte zu Einzelfällen.

(Bloomberg/cash)