Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im Mai stärker als erwartet hochgefahren. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 0,9 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das ‌Statistische Bundesamt am ⁠Dienstag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Wachstum von 0,2 ⁠Prozent gerechnet, nachdem es im April bereits zu einem Plus von 0,2 Prozent gereicht hatte. In ersten Reaktionen hiess es ‌dazu:

Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft Union Investment:

«Die deutsche Industrie stabilisiert ‌sich. Nach dem Plus im April ist der ​Anstieg der Produktion im Mai um 0,9 Prozent ein weiteres kleines Lebenszeichen. Die Auftragsbücher füllen sich, doch die Unternehmen bleiben vorsichtig und fahren ihre Produktion nur langsam hoch.

Für die kommenden Monate stehen die Chancen auf eine schrittweise Erholung besser. Die geopolitische Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt hat nachgelassen, die Energiepreise haben ‌sich beruhigt, die Weltwirtschaft bleibt robust, und die höheren Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung dürften zunehmend in der Realwirtschaft ankommen.

Aber: Die Stabilisierung ist noch kein Aufschwung. Der strukturelle Wettbewerbsverlust der deutschen Industrie in ​den letzten Jahren hat die Produktion auf das Niveau von 2010 gebracht. Das ​zeigt, wie tief die industrielle Aushöhlung inzwischen reicht. Die deutsche ​Industrie hat den Abwärtstrend gestoppt, aber der Weg aus der Krise führt nicht im Sprint nach oben, sondern im Schneckentempo.»

Sebastian Wanke, KFW Research: 

«Auch in den Mai-Daten zur Produktion spiegeln sich noch die Unwuchten des Iran-Kriegs wider und machen sie schwer interpretierbar. Vorzieheffekte wegen befürchteter Lieferengpässe ringen mit Zurückhaltung aufgrund von Zukunftsängsten. Viel wichtiger ist ​aber: Im ​Hintergrund hat die Erholung schon eingesetzt. Das ist ⁠am Auftragseingang des Verarbeitenden Gewerbes abzulesen, der – auch ohne Grossaufträge – ​im Trend klar nach ⁠oben zeigt. Das wird die Produktion hierzulande bald längerfristig befeuern, erst recht, wenn Öl und Gas die ‌Strasse von Hormus wieder frei passieren und Reform-Rückenwind dazukommt.»

Jens-Oliver Niklasch, LBBW: 

«Die allmähliche Belebung in der Industrie setzt sich fort. Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass ‌diese Zahlen noch in die Phase des Iran-Krieges fallen, in der die ​Unsicherheit besonders gross war. Für das zweite Quartal sind die bislang vorliegenden Daten etwas besser als noch vor einigen Wochen gedacht. Vermutlich hat es in Deutschland keinen Rückgang der Wirtschaftsleistung gegeben. Und das wäre eine gute ‌Nachricht.»

(Reuters)