Der frühere Notenbankdirektor Kevin Warsh soll Nachfolger von US-Zentralbankchef Jerome Powell werden. Das teilte US-Präsident Donald Trump am Freitag mit. Powells Amtszeit läuft im Mai aus. Experten sagten in ersten Reaktionen:
Eckhard Schulte, Mainsky Asset Management:
«US-Präsident Donald Trump hat mit Kevin Warsh als neuem Fed-Chair eine ausgezeichnete Wahl getroffen. Das ehemalige Mitglied im Fed-Gouverneursrat ist extrem erfahren, pragmatisch und geniesst an den Finanzmärkten höchsten Respekt. Seine Sicht auf die Inflation ist pragmatisch. In der Vergangenheit war er eher ein 'Inflations-Hawk', in den vergangenen Monaten aber sprach auch er sich für tiefere Zinsen aus. Während der Finanzkrise 2008 war er der entscheidende Vermittler zwischen Notenbank und Wall Street. Warsh steht insbesondere dafür, die Fed wieder auf ihre Kernaufgaben zu fokussieren – raus aus dem Modus der ständigen Krisenintervention.
Die Sorgen um die Unabhängigkeit waren ohnehin überzogen. Einmal nominiert, ist ein Fed-Chair rechtlich extrem schwer angreifbar. Keiner der bis zuletzt gehandelten vier Kandidaten hatte wirklich Lust, als 'Trump-Muppet' in die Geschichte einzugehen, als derjenige Fed-Chair, der durch eine unverantwortliche Zinspolitik die Inflation ausser Kontrolle geraten liess. Diese Rolle steht geschichtlich dem unglücklichen ehemaligen Fed-Chair Arthur Burns in den 1970er Jahren zu.»
Tobias Basse, Ökonom NordLB:
«Kevin Warsh gilt nicht als geldpolitische Taube. Dieses Faktum mag helfen, die US-Kapitalmarktzinsen von der Einpreisung deutlich erhöhter Inflationserwartungen abzuhalten. Auch die Währung der Vereinigten Staaten könnte von dieser Personalentscheidung Donald Trumps profitieren. Mit Blick auf das für das Weisse Haus zentrale Thema »Leitzinssenkungen« hat der US-Präsident eindeutig den defensiveren Kevin ausgewählt. Allerdings wird auch Warsh auf zügige Anpassungen der Fed Funds Target Rate nach unten drängen. Etwas Spielraum für Zinssenkungen dürfte sogar bestehen. Das Wachstum in den USA präsentiert sich zwar wirklich sehr stark, es gibt aber mit Blick auf die verschiedenen Sektoren der nordamerikanischen Ökonomie grössere Divergenzen bei der Wirtschaftslage. Vor allem der wichtige US-Immobilienmarkt könnte niedrigere Kapitalmarktzinsen gut vertragen. Zudem kommen die starken Wachstumszahlen derzeit nicht wirklich am Arbeitsmarkt an. Das Inflationsumfeld könnte eine vorsichtige geldpolitische Lockerung sogar erlauben.»
Luke Bartholomew, stellvertretender Chefökonom bei Aberdeen Investments:
« Kevin Warshs Erfahrung bei der Fed, wo er sich den Ruf eines sehr kompetenten Krisenmanagers mit gutem Verständnis der Finanzmärkte erworben hat, sowie seine langjährige Geschichte unabhängigen Denkens zur Geldpolitik machen ihn zu einer glaubwürdigen Nominierung. Als Vorsitzender wird er sehr wahrscheinlich eine Politik niedrigerer Zinsen vorantreiben, was mit unserer Prognose von zwei Zinssenkungen um je 25 Basispunkte später in diesem Jahr übereinstimmt. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass er grosse Fortschritte dabei macht, den Betriebsrahmen der Fed zu verändern oder ihre Bilanz zu verkleinern, wodurch ein grosser Teil der potenziell restriktiven Wirkung seiner Amtszeit abgeschwächt würde.»
(Reuters/cash)

