Die US-Wirtschaft hat Ende 2025 wegen des wochenlangen Haushaltsstreits deutlicher als erwartet an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt legte von Oktober ‌bis ⁠Dezember auf das Jahr hochgerechnet um 1,4 Prozent zu, wie das Handelsministerium ⁠am Freitag in Washington mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten ein mehr als ‌doppelt so grosses Plus von 3,0 Prozent vorhergesagt. ‌Im Vorquartal hatte es noch ​zu einem Wachstum von 4,4 Prozent gereicht. In ersten Reaktionen hiess es:

BASTIAN HEPPERLE, HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

«Robustes Wachstum ist eigentlich das Markenzeichen der US-Wirtschaft. Das schwache Ergebnis enttäuscht, ist aber auch Folge des lange anhaltenden Government Shutdowns. ‌Für 2026 bleibt der Ausblick freundlich. Steuersenkungen, hohe IT-Investitionsausgaben, Deregulierungen und die vorgenommenen Leitzinssenkungen sorgen für weiteren konjunkturellen Rückenwind. Die Fed dürfte sich darin bestätigt sehen, ​das Leitzinsniveau vorerst beizubehalten. Es bleibt Powells Nachfolger Warsh überlassen, ​den Offenmarktausschuss von weiteren Zinssenkungen zu überzeugen. Wirklich ​notwendig sind sie aber wohl nicht. Das Risiko einer konjunkturellen Übersteuerung nimmt zu. Am Horizont ‌ziehen neue Inflationsgefahren auf.»

TOBIAS BASSE, NORDLB:

«Ganz grundsätzlich dürfte der Boom im KI-Segment der US-Ökonomie der Wirtschaft der Vereinigten Staaten in der näheren Zukunft helfen. Für ​den ​Arbeitsmarkt der USA ist diese Technik ⁠allerdings zugleich Fluch und Segen. Niedrigere Zinsen könnten ​perspektivisch der Bauwirtschaft ⁠unter die Arme greifen, welche wohl auch weiterhin als ziemlich personalintensiv gelten darf. Im ‌ersten Quartal 2026 mag aber die ungewöhnlich ausgeprägte Kältewelle auch saisonbereinigt zu Belastungen bei der realen ökonomischen Aktivität geführt haben. ‌Folglich würden sich dann im zweiten Quartal gewisse stützende ​Nachholeffekte zeigen müssen. Durch den KI-Faktor könnten sich die BIP-Zahlen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in der Tat bald recht spürbar von der Beschäftigungssituation lösen.» 

(Reuters)