Die deutsche Industrie hat im Dezember überraschend den vierten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. Das Neugeschäft wuchs um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist das grösste Plus seit Dezember 2023. Das kommt völlig überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hiess es:
Michael Herzum, Leiter Volkswirtschaft Union Investment:
«Der Aufwind straft Konjunkturpessimisten Lügen. Der Aufwärtstrend ist etabliert, der Auftragsbestand steigt, und der Ausblick für die Industrieproduktion hellt sich auf. In den gestiegenen Auftragseingängen spiegeln sich die ersten Effekte der höheren Fiskalausgaben wider, die insbesondere der Rüstungsindustrie zugutekommen. Ausserdem ist in den Daten nicht enthalten, wie sehr sich steigende staatliche Investitionen im Bereich Infrastruktur schon jetzt auf die Auftragslage im wichtigen Bausektor auswirken.
Mit dem erneuten Anstieg der Bestellungen hat sich der Ausblick für die Produktion noch weiter verbessert, und die Industrie dürfte in diesem Jahr wieder zum Wachstumsträger werden. Deutschland holt gegenüber den europäischen Nachbarn beim Wachstum auf.»
Jens-Oliver Niklasch, LBBW:
«Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht? Zwar gab der Sonderfaktor Grossaufträge den Ausschlag für den gewaltigen Anstieg. Aber auch der um Grossaufträge bereinigte Auftragseingang legte erneut zu. Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht. Zumindest die Prognose, dass das BIP im laufenden Jahr um rund ein Prozent zulegen wird, scheint realistisch.»
Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuser Lampe:
«Lange ruhte der See still, jetzt läuft das Wasser über. Der erneut kräftige Auftragszuwachs ist das Resultat von Grossaufträgen. Ohne Grossaufträge wäre der Auftragszuwachs deutlich geringer gewesen. Die Auftragsentwicklung hat an Breite gewonnen, das ist erfreulich. Die Anzeichen mehren sich, dass es industriell aufwärts geht. Für mehr Produktion kommt es jetzt darauf an, dass die Aufträge auch zügig abgearbeitet werden.»
(Reuters)

