Die Inflation in Deutschland ist zu Jahresbeginn etwas stärker als erwartet gestiegen. Im Januar lagen die Verbraucherpreise um durchschnittlich ‌2,1 Prozent ‌höher als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im Dezember war die Teuerungsrate auf 1,8 Prozent gesunken - den niedrigsten Wert seit mehr ​als einem Jahr. Ökonomen hatten mit einem Anstieg ‌der Inflationsrate auf 2,0 Prozent gerechnet. ‌Sie sagten in ersten Reaktionen:

Silke Tober, IMK:

«Mit 2,1 Prozent liegt die Inflation im Januar im grünen Bereich, wenn auch etwas höher als erwartet. Ausschlaggebend waren die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran, die die ⁠Rohölpreise deutlich nach oben getrieben haben. Entsprechend sind die Kraftstoffpreise seit Dezember mehr als doppelt so stark gestiegen, wie es allein durch den CO₂-Preis ​zu erwarten wäre. Angesichts der kräftigen Euro-Aufwertung, der verhaltenen Wirtschaftsdynamik ‌und der durch die US-Zölle ohnehin stark unter ‍Druck stehenden Exporte wäre es fahrlässig, wenn die EZB in dieser Situation mit ruhigem ​Preisklima im gesamten Euroraum und unter dem EZB-Ziel liegenden Inflationserwartungen weiter untätig bliebe.»

Friedrich Heinemann, ZEW:

«Zum Jahresanfang sind die Preise wenig überraschend wieder etwas stärker gestiegen ‌als im Dezember. Dennoch liegt die deutsche ⁠Inflationsrate aktuell fast genau da, wo sie ‌sein sollte. Allerdings ist die moderate Inflationsdynamik auch Folge der schlechten Wirtschaftslage. Diese drückt auf die ‍Preise. Und hinter der Gesamtzahl verbergen sich weniger erfreuliche Details. Die Inflation der Dienstleistungen von Pflege über Gesundheit bis zum Handwerk ​ist weiter kräftig. Alles spricht dafür, dass die Zeiten ‍der Nullinflation für lange Zeit vorbei sind. Die Ansprüche an den Konsum in der alternden Gesellschaft übersteigen immer mehr die Produktionsmöglichkeiten. Das führt strukturell zum Inflationsdruck.»

Thomas Gitzel, Ökonom VP Bank: 

«Die EZB ist derweil mit Blick auf die Teuerung nach wie vor in einer komfortablen Situation. Die Inflationsraten liegen auf den Zielniveaus der Währungshüter. Einzig die Kerninflationsrate liegt noch zu hoch, doch auch hier könnte es in den kommenden Monaten zu einer Entspannung kommen. Für die EZB drängt sich neben der reinen Inflationsentwicklung eine ganz andere Frage auf: Wie umgehen mit dem Euro? Die europäische Gemeinschaftswährung notiert derzeit knapp unter der Marke von 1.20 und damit auf mehrjährigen Hochs. Dabei reflektieren die höheren Euro-Niveaus keine Stärke des gemeinsamen Währungsraums, sie sind vielmehr das Resultat einer Dollar-Schwäche. Auf der EZB-Sitzung in der kommenden Woche wird diese Frage auf der Pressekonferenz im Vordergrund stehen.»

(Reuters)