Aus der deutschen Wirtschaft kommen unterschiedliche Signale: Während die deutschen Exporte mit 2,5 Prozent zum Vormonat so stark schrumpften wie seit anderthalb Jahren nicht mehr, zog die Produktion in Industrie, Bau und bei Energieversorgern überraschend um 0,8 Prozent an und damit den dritten Monat in Folge. Ökonomen sagten dazu in ersten Reaktionen:
Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank:
«Anders als befürchtet ist die Industrieproduktion im November nicht gefallen. Gegenüber dem dritten Quartal zeichnet sich jetzt ein merkliches Plus ab. Aber letztlich gleicht das nur die Delle im Sommer aus. In der Grundtendenz bewegt sich die Industrieproduktion weiter auf niedrigem Niveau seitwärts. Ein deutlicher Aufschwung zeichnet sich noch nicht ab, nachdem das Ifo-Geschäftsklima zuletzt zwei Mal in Folge gefallen ist. Der massive Fiskalimpuls vom Schuldenpaket der Regierung wirkt noch nicht, weil die Unternehmen wegen des Fehlens breitangelegter Reformen enttäuscht sind.»
Jens-Oliver Niklasch, LBBW:
«Eine solide Produktionszahl, welche den Eindruck der gestrigen Auftragseingänge unterstreicht, dass es langsam aufwärts geht mit der Konjunktur der deutschen Industrie. Freilich hielt die Talfahrt lange an, und bis die Stimmung dreht, dürfte es noch dauern. Aber mit den nun vorliegenden Zahlen spricht einiges dafür, dass schon im Schlussquartal 2025 eine gewisse konjunkturelle Belebung zu verzeichnen war. Auffällig ist allerdings die hohe Diskrepanz zwischen der Gesamtproduktion und der Produktion ohne Bau und Energie. Da gab es wohl negative Sondereffekte am Bau sowie in den energieintensiven Branchen, die schon länger zu den Sorgenkindern gehören. Mit Blick auf 2026 sollte zudem nicht übersehen werden, dass ein Aufschwung selbst mit fiskalischem Rückenwind kein Selbstläufer werden wird. Die globalen Rahmenbedingungen bleiben gerade für die exportorientierte deutsche Industrie weiterhin herausfordernd.»
Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:
«Die Industrieproduktion lässt darauf schliessen, dass das gesamtwirtschaftliche Wachstum im vierten Quartal klar über der Nullmarke liegen wird. Und auch wenn die Exporte enttäuschten, mit Blick auf die gestrigen guten Auftragseingänge gilt: Füllen sich die Auftragsbücher, wird die Produktion und in weiterer Folge auch die Exporte davon profitieren. Zwar ist die erfreuliche Auftragsentwicklung vor allem auf Grossaufträge zurückzuführen, doch auch diese schaffen Produktion und helfen der Exportwirtschaft. Es gibt also begründeten Anlass zur Hoffnung, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2026 um einiges stärker wachsen sollte.»
Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuser Lampe:
«Die Produktion wird im abgelaufenen Quartal ein ordentliches Plus geliefert haben. Die schwierige Gesamtlage in der Industrie und das niedrige Produktionsniveau bleiben zunächst aber erhalten. Das zeigt sich auch am zuletzt gesunkenen Willen vieler Unternehmen, Beschäftigte zu halten. Für die Produktion ist jetzt entscheidend, dass mit dem Fiskalpaket ein Kapazitätseffekt erreicht wird. Vor allem im Rüstungsbereich dürften Kapazitäten demnächst aufgestockt werden. Zusätzlich braucht es aber ein höheres Reformtempo, verbunden mit besseren Standortbedingungen. Der Exportsektor scheint die beste Zeit hinter sich zu haben, vor allem der Handel mit den USA leidet. Wegen der US-Zölle werden die Herausforderungen für den Sektor nicht kleiner. Negative Mengenreaktionen stehen erst noch bevor.»
(Reuters)

