Die Inflation im Euroraum hat bereits vor dem Ende Februar ausgebrochenen Nahost-Krieg überraschend angezogen. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im vorigen Monat um 1,9 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Dienstag mitteilte. Experten hatten für Februar mit einer Stabilisierung auf dem Vormonatsniveau von 1,7 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hiess es:
Jörg Krämer, Chefökonom Commerzbank:
«Die Inflationsdaten für den Februar sehen gut aus, sagen wegen des Nahost-Kriegs aber nichts über die Zukunft aus. Dauert der Krieg und die faktische Schliessung der Strasse von Hormus nur wenige Wochen, dann wird die Inflation wegen des gestiegenen Ölpreises nur vorübergehend ein wenig zulegen. Zöge sich der Krieg wider Erwarten aber Monate hin, so dürfte der Ölpreis in Richtung 100 Dollar steigen. Die Inflation stiege dann schätzungsweise auf mindestens drei Prozent. Trotzdem dürfte die EZB ihre Leitzinsen in einem solchen Szenario nicht anheben, weil sie durch einen ölpreisbedingten Anstieg der Inflation in der Regel durchschaut.»
Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuer Lampe:
«Der Anstieg ist ein Indiz für einen nur kurzen Aufenthalt unter zwei Prozent. Demnächst dürfte die Inflationsrate steigen, weil die Energiepreise weniger entlasten. Der Konflikt im Nahen Osten ändert manches, er richtet den Inflationsblick noch stärker nach oben. Ein dauerhafter Anstieg des Rohölpreises um zehn Dollar je Barrel bedeutet bis zu 0,2 Prozentpunkte mehr Jahresinflation.
Für die EZB gibt es trotz geopolitischer Krisenlage vorerst nichts zu tun. Der Nahost-Konflikt ist noch zu frisch, um bereits Rückschlüsse für die Leitzinsen zu ziehen. Auf einen Angebotsschock kann sie zinsseitig ohnehin nichts ausrichten. Wahrscheinlich wird die Notenbank einen temporären Anstieg der Inflationserwartungen tolerieren.»
(Reuters)

