Das sind die gefallenen Überflieger-Aktien

Die Kurskorrektur in der Biotech- und Tech-Branche hat auch zahlreiche Schweizer Titel erfasst. Wo sich jetzt ein Einstieg wieder lohnt.
10.04.2014 01:00
Von Pascal Meisser
Im Labor des Biotech-Unternehmens Evolva.
Im Labor des Biotech-Unternehmens Evolva.
Bild: ZVG

Haben die Biotech- und Technologie-Aktien als Kursraketen bereits ausgedient? Das fragen sich auch die Investoren, die seit fast zwei Monaten den Kurssturz ihrer Titel verfolgen. Aktien wie Basilea, Evolva und U-Blox, die in den letzten Monaten zu den Überfliegern an der Schweizer Börse gehörten, verbuchten teils schmerzhafte Kursverluste (siehe Tabelle).

Auslöser dieser abrupten Korrektur ist die Entwicklung an den amerikanischen Börsen. Ins Auge sticht vor allem der Kurstaucher des Nasdaq-Biotechnology-Index. Seit dem Allzeithoch Mitte Februar hat der Branchenthermometer praktisch 20 Prozent eingebüsst.

Etwas weniger markant fiel die Korrektur beim Nasdaq Composite aus, der sämtliche Tech-Titel umfasst. Doch mit einem Minus von 7 Prozent hat der Technologie-Index in den letzten sechs Wochen deutlich schwächer performt als der Dow Jones, der im gleichen Zeitabschnitt minim zulegte.

Grosse Geldabzüge

Vor allem der Biotech-Sektor leidet unter gewaltigen Geldabflüssen. Alleine am 4. April sind aus dem grössten börsenkotierten Biotech-Fonds, dem iShares Nasdaq Biotechnology ETF, 372 Millionen Dollar abgezogen worden – so viel wie noch nie seit der Auflegung vor 13 Jahren. Laut Bloomberg-Daten entspricht dies 7,5 Prozent des Fondsvolumens von fast fünf Milliarden Dollar.

Experten sind sich uneins, ob diese Korrektur im Biotech-Sektor weiterläuft. Pessimisten verweisen auf die hohe Bewertung zahlreicher Biotech-Aktien, die teils mit dem 400-fachen des Jahresgewinns bewertet werden. Andere wiederum betonen die hohen Wachstumsraten dieser Firmen und sehen auch in Zukunft überdurchschnittliche Kursgewinne.

Auch in der Schweiz gibt es Titel, die in den letzten Wochen in die Tiefe gezogen wurden. Einige dieser Aktien bieten bereits heute wieder Einstiegschancen, wie die cash-Übersicht zeigt:

Aktie 52 Wochen seit 15.2.2013 KGV 2014 Kauf
Basilea +63% -24% - nein
BB Biotech +44% -15% - ja
Evolva +68% -8% - ja
Logitech +99% -11% 21 nein
U-Blox +115% -8% 25 ja

Quelle: cash.ch / Stand: 9. April 2014

Für einen Einstieg bei der Biotech-Beteiligungsgesellschaft BB Biotech und beim Chip-Hersteller U-Blox sprechen die langfristigen Perspektiven. BB Biotech investiert in zahlreiche etablierte wie auch Startup-Firmen und bietet den Investoren einen guten Branchenmix. Wer langfristig an den Erfolg von Biotech-Firmen glaubt, ist mit dieser Aktie gut bedient.

Auch für die in Thalwil beheimatete U-Blox stehen die Aussichten gut. Das Unternehmen partizipiert am Megatrend "Internet der Dinge" - damit ist die Vernetzung von Maschinen, Produkten und Dienstleistungen gemeint. Dank der grossen Zahl von 4500 Kunden hat U-Blox zudem ein allfälliges Klumpenrisiko auf der Absatzseite minimiert.

Ein weiterhin spekulativer Kauf ist auf aktuellem Niveau das Biotech-Unternehmen Evolva. Das Reinacher Unternehmen setzt auf die Herstellung von kalorienfreiem Süssstoff. Die Markteinführung des Produkts Stevia ist für 2015 geplant. Ein grosser Teil dieser Hoffnung mit ungewissem Ausgang steckt im aktuellen Aktienkurs. Jegliche Enttäuschung würde zu Kursabstürzen führen. 

Gegen den Trend stark geblieben

Es gibt am Schweizer Aktienmarkt aber auch zwei Titel aus dem Technologiesektor, die sich dem Abwärtsdruck komplett entziehen konnten. Der Chip-Hersteller AMS hat seit Mitte Februar den Börsenwert um 17 Prozent erhöht, Kudelski hat in diesem Zeitraum gehalten performt.

Trotz dieser relativen Stärke gegenüber der Branche ist derzeit nur AMS ein "Kauf". Als Mobilfunkzulieferer wird das an der SIX kotierte österreichische Unternehmen noch 2014 von den Schlüsselkunden Apple und Samsung profitieren. Beide Gerätehersteller wollen noch dieses Jahr neue Modelle lancieren. Marktkenner vermuten, dass neue Gerätegenerationen noch mehr Bauteile von AMS beinhalten werden. 

Kudelski hingegen leidet noch immer unter dem schwachen Digital-TV-Geschäft, auch wenn sich die Margen inzwischen stabilisiert haben. Die Westschweizer Firma ist nun daran, in andere Bereiche wie Internetsicherheit und Intellectual Property (IP) zu diversifizieren. Dieser Schritt benötigt aber noch einiges an Zeit - und erhebliche Investitionen.