Börsengehandelte Indexfonds liegen im Trend. Immer mehr private Investorinnen und Investoren setzen auf ETFs und das nicht ohne Grund: Die Produkte sind kostengünstig, transparent und breit diversifiziert. Laut der «ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025» der Hochschule Luzern fliesst seit 2021 der Grossteil der Neugelder in der Schweiz in ETFs statt in klassische Anlagefonds. 87 Prozent der heutigen ETF-Anlegerinnen und -Anleger wollen ihr Engagement in den nächsten zwei Jahren sogar weiter ausbauen.

Doch so unkompliziert ETFs auf den ersten Blick wirken, risikolos sind sie nicht. cash.ch hat fünf zentrale Risiken und Stolpersteine zusammengefasst, die Anleger kennen sollten. Brian Mattmann, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern und Autor der ETF-Anlegerstudie Schweiz 2025, ordnet sie ein.

1. Marktrisiko kann nicht eliminiert werden

Das Marktrisiko ist das grundlegendste Risiko beim Investieren in ETFs und gleichzeitig eines der am häufigsten unterschätzten. Da der Wert eines ETF direkt von der Entwicklung des zugrundeliegenden Index abhängt, wirken sich Börsenkorrekturen unmittelbar auf den Fondspreis aus. Wirtschaftskrisen, geopolitische Konflikte, Pandemien oder Naturkatastrophen können die Märkte und damit auch ETFs empfindlich treffen.

Wichtig dabei: Dieses Risiko betrifft grundsätzlich alle Anlegerinnen und Anleger und lässt sich nicht eliminieren, sondern nur abfedern.

Mattmann erklärt: «Grundsätzlich ist ein ETF nur die Verpackung einer Anlage, deshalb hängt das Risiko primär vom zugrundeliegenden Aktienkorb ab.» Ein global investierender ETF auf den MSCI World könne in einer weltweiten Börsenkorrektur ebenfalls deutlich an Wert verlieren. Temporäre Verluste müsse man deshalb aushalten können.

Sein Rat: «Anleger können mit diesem Risiko primär über einen langen Anlagehorizont, breite Diversifikation und eine zur eigenen Risikofähigkeit passende Aktienquote umgehen.» Kurzfristige Ausgaben sollten laut Mattmann dagegen nicht mit langfristigen ETF-Anlagen finanziert werden.

Wer also weiss, dass er oder sie das investierte Geld in wenigen Jahren für einen Hauskauf oder eine grössere Anschaffung braucht, sollte es nicht in Aktien-ETFs anlegen. ETFs eignen sich vor allem für Geld, das langfristig, idealerweise über zehn bis fünfzehn Jahre, investiert werden kann.

2. Die Frankenstärke schmälert Gewinne erheblich

Wer beispielsweise in einen ETF auf den MSCI World investiert, hält indirekt zu einem grossen Teil amerikanische Aktien und damit automatisch auch ein erhebliches Exposure in US-Dollar. Dieses Währungsrisiko wird von vielen Schweizer Anlegern unterschätzt oder schlicht übersehen.

Die Konsequenz: Selbst wenn die Aktienmärkte steigen, kann ein schwächerer Dollar die Rendite aus Sicht einer Schweizer Investorin deutlich schmälern. Umgekehrt profitieren Anleger bei einem starken Dollar zusätzlich vom Währungseffekt.

Mattmann bringt es auf den Punkt: «Ein Welt-ETF ist nicht automatisch ein Franken-Investment.»

Es gibt zwar währungsgesicherte ETFs, sogenannte «Hedged»-Varianten, die dieses Risiko reduzieren sollen. Allerdings kostet die Absicherung zusätzlich, meist zwischen 0,1 und 0,3 Prozent pro Jahr.

Und laut Mattmann ist sie «langfristig nicht immer vorteilhaft», denn über längere Zeiträume gleichen sich Währungsschwankungen oft teilweise aus. Für Anleger mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren oder mehr sei das Wechselkursrisiko deshalb meist weniger problematisch, als kurzfristig orientierte Investoren annehmen.

3. Faire Preise sind nicht immer garantiert

ETFs gelten grundsätzlich als hochliquide. Sie können wie Aktien jederzeit während der Börsenöffnungszeiten gehandelt werden. Doch diese Liquidität hat Grenzen. Und die zeigen sich oft genau dann, wenn sie am meisten gebraucht werden: in Stressphasen.

Wenn die Börsen stark einbrechen und viele Anleger gleichzeitig verkaufen wollen, kann die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs, der sogenannte Spread, deutlich ansteigen. Wer dann verkauft, erzielt unter Umständen einen schlechteren Preis als erwartet.

Besonders anfällig seien laut Mattmann ETFs auf weniger liquide Anlagen wie Hochzinsanleihen, Schwellenländeranleihen, kleinere Unternehmen oder gewisse Themenmärkte. Hinzu komme, dass die Liquidität bei der ETF-Auswahl von Schweizer Anlegern als deutlich weniger wichtig eingestuft werde als Kosten, Performance oder die Reputation des Anbieters. «Das ist nachvollziehbar, kann aber problematisch werden, weil Liquiditätsrisiken oft erst in Krisensituationen sichtbar werden», so der Experte.

Die Konsequenz für Anleger: Wer in Nischen-ETFs oder thematische Produkte investiert, sollte die Liquidität des zugrundeliegenden Marktes im Blick behalten. Und wer in einer Stressphase verkaufen muss, sollte damit rechnen, keinen optimalen Preis zu erhalten.

4. Die Schattenseite synthetischer ETFs

Nicht alle ETFs sind gleich aufgebaut. Während physisch replizierende ETFs die Aktien eines Index direkt kaufen, bilden synthetische ETFs, sogenannte Swap-ETFs, den Index über Tauschgeschäfte mit einem Finanzinstitut nach. Dadurch entsteht ein sogenanntes Kontrahentenrisiko: Fällt der Swap-Partner aus, kann es zu Verlusten kommen.

Allerdings ist dieses Risiko regulatorisch begrenzt. Bei UCITS-konformen ETFs darf das Kontrahentenrisiko in der Regel maximal zehn Prozent des Fondsvermögens betragen.

Mattmann relativiert deshalb: «Dieses Risiko ist regulatorisch begrenzt und in der Praxis meist relativ klein.» Problematisch sei allerdings, dass sich viele Anleger kaum mit der Replikationsmethode eines ETF beschäftigen. Sie spiele in der ETF-Auswahl eine untergeordnete Rolle.

Dabei wäre es einfach, sich zu informieren. Ob ein ETF physisch oder synthetisch repliziert wird, steht im Factsheet oder Basisinformationsblatt. Begriffe wie «physische Replikation», «synthetisch» oder «Swap-basiert» geben darüber Auskunft. Wer das Kontrahentenrisiko möglichst vermeiden will, setzt auf physisch replizierende ETFs.

5. Steuern: Oft unterschätzt, langfristig aber relevant

Steuern gelten zwar nicht als klassisches ETF-Risiko, können die Rendite langfristig aber spürbar beeinflussen. Viele Anleger beschäftigen sich erst damit, wenn die erste Steuerrechnung kommt. Relevant sind unter anderem das Domizil des ETF, die Quellensteuer auf Dividenden sowie die Frage, ob ein Fonds ausschüttend oder thesaurierend ist. Denn auch thesaurierende ETFs, die Erträge automatisch wieder anlegen, sind nicht automatisch steuerfrei. Die Erträge müssen in der Schweiz trotzdem versteuert werden, selbst wenn keine Ausschüttung auf dem Konto eingeht.

Für langfristig orientierte Anleger sind Steuern meist nicht der wichtigste Faktor. Sie gehören aber zur Gesamtrechnung. Wer die steuerlichen Aspekte seines ETF-Portfolios komplett ausblendet, riskiert am Ende unangenehme Überraschungen.

Es lohnt sich deshalb, die wichtigsten Unterschiede zumindest einmal anzuschauen oder im Zweifelsfall eine Steuerfachperson beizuziehen.

Monique Misteli Ringier
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