Die Kurse von Luxusgüteraktien sind am Dienstagmorgen unter Druck. Die Titel des Branchenprimus LVMH fallen um über 2,6 Prozent auf 406,55 Euro. Das würgt den zarten Stabilisierungsversuch vom Vortag direkt ab. Die Aktien des Luxusgüterkonzerns finden sich nun auf einem Kursniveau wie letztmals vor sechs Jahren wieder.

Neben europäischen Konkurrenten wie Hermès (-2,1 Prozent), Dior (-2,1 Prozent) oder Brunello Cucinelli (-1,3 Prozent) verlieren auch die Schweizer Branchenvertreter Richemont und Swatch. Richemont gibt über 2,5 Prozent auf 168,70 Franken ab, Swatch fällt um rund 2,1 Prozent auf 171,95 Franken. Richemont befindet sich damit auf einem Drei-Monats-Tief. Die Swatch-Titel haben ihre Kursgewinne seit Ende Juli von über 12 Prozent fast vollständig eingebüsst.

Auslöser für den Rückschlag sind neben dem schwachen Gesamtmarkt enttäuschende Einzelhandelsdaten aus China. Diese verfehlten die Erwartungen deutlich und fallen laut Barclays auf den niedrigsten Wert seit der Corona-Pandemie.

Enttäuschende chinesische Einzelhandelsumsätze und sinkende Schätzungen

Im August stiegen die chinesischen Einzelhandelsumsätze im Jahresvergleich lediglich um 0,4 Prozent - Ökonomen hatten mit 0,8 Prozent gerechnet. «Das würde zum geringsten Wachstum seit Corona führen», sagt ein Händler mit Verweis auf eine Barclays-Studie. Die Bank senkt ihre Wachstumsprognose für das Gesamtjahr nach den neuen Daten von 3,7 Prozent im Jahr 2025 auf nur noch 1 Prozent.

«Die Nachfrage der chinesischen Kunden ist 'das' Thema bei Luxus», betont ein anderer Marktteilnehmer. Denn rund ein Drittel des Branchenumsatzes hängt von den Konsumenten im Reich der Mitte ab.

Die jüngsten Gewinnrevisionen der Analysten bei Swatch und Richemont spiegeln diesen Dämpfer wider. In den vergangenen drei Monaten senkten Experten die Prognose für das Gewinnwachstum pro Aktie bei Swatch von minus 10 Prozent auf minus 11 Prozent. Für Richemont erwarten sie noch ein Plus von 9,2 Prozent nach zuvor 11,4 Prozent.

Wegen des höheren Wachstums sprechen sich mehr Analysten für die Titel von Richemont aus. So empfehlen 14 von 20 Experten die Titel des Genfer Konzerns zum Kauf, nur einer zum Verkauf. Bei Swatch zeigt sich allerdings ein gegenteiliges Bild. Hier raten nur zwei der 17 Analysten zum Kauf, neun empfehlen Halten und sechs Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei Swatch rund 1,9 Prozent unter dem aktuellen Kursniveau, bei Richemont dagegen fast 25 Prozent darüber.

Die Halbjahreszahlen von Richemont am 13. November 2026 und die Jahreszahlen von Swatch im Januar 2027 dürften weitere Hinweise auf die Entwicklung des Kerngeschäfts liefern. Zudem geben die Daten wichtige Einblicke in die Verfassung der chinesischen Konsumenten.

Noch früher stehen die Quartalsresultate von LVMH auf der Agenda - der Branchenprimus veröffentlicht die Ergebnisse zum dritten Quartal am 9. Oktober nach Handelsschluss.