Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau hat die Entschlossenheit der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Eindämmung der energiegetriebenen Inflation bekräftigt. Es sei jedoch noch ‌zu früh, ⁠um über konkrete Termine für mögliche Zinserhöhungen zu sprechen, sagte das EZB-Ratsmitglied ⁠der italienischen Zeitung «La Stampa» (Montagausgabe).

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat die ‌Energiepreise stark steigen lassen. Die Währungshüter debattieren nun darüber, ‌ob und unter welchen Umständen sie die ​Zinsen anheben müssen, um zu verhindern, dass diese Teuerung auf andere Waren und Dienstleistungen übergreift. «Wir sind bereit, in diese Richtung zu handeln, falls nötig», zitierte das Blatt Villeroy.

Der Notenbanker räumte ein, dass der Krieg die Inflationsaussichten verschlechtert habe ‌und die EZB machtlos sei, einen kurzfristigen Schock zu verhindern. Ihre Aufgabe sei es jedoch sicherzustellen, dass sich kurzfristige Preissteigerungen nicht in einer breiteren Inflation niederschlügen. Villeroy, der im ​Juni aus dem Amt scheidet, merkte zudem an, dass ​die ungünstigen Inflationsszenarien der EZB die Auswirkungen möglicherweise ​überschätzten, da sie keine Reaktion der Notenbank berücksichtigten.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters bereits in der vergangenen Woche ‌berichtete, hatte die französische Zentralbank bereits davor gewarnt, dass der Konflikt die wirtschaftlichen Aussichten trübt. In einem ungünstigen Szenario mit einer anhaltenden Energiekrise könnte die Teuerungsrate in ​Frankreich im laufenden ​Jahr auf 3,3 Prozent klettern. ⁠Eine Rezession für sein Land schloss Villeroy in der ​Zeitung «Les Echos» jedoch aus.

Innerhalb ⁠der EZB gehen die Meinungen über den geldpolitischen Kurs auseinander. Einige Währungshüter halten eine ‌Zinserhöhung im April für eine Option. Andere argumentieren dagegen, die Notenbank solle nichts überstürzen, da es derzeit kaum Belege gebe, die einen ‌solchen Schritt rechtfertigten. Die Finanzmärkte rechnen in diesem Jahr ​mittlerweile mit drei Zinserhöhungen der EZB. Ein erster Schritt bis Juni ist in den Kursen bereits vollständig eingepreist.