Der aktivistische Hedgefonds Elliott Investment Management hat sich an Air Liquide beteiligt und drängt den Industriegaskonzern laut Insidern zu einer Margenverbesserung. Air Liquide arbeitet bereits mit Beratern für die Abwehr aktivistischer Investoren zusammen, so die Informanten, die anonym bleiben wollten, da die Details nicht öffentlich sind. Dies berichtete die Financial Times.
Die Aktien von Air Liquide zogen am Dienstag im Pariser Handel um 2,5 Prozent an, womit die Marktkapitalisierung auf rund 110 Milliarden Euro zu stehen kommt. Die Aktie legte im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent zu. Vertreter von Air Liquide und Elliott Investment Management lehnten gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Stellungnahme ab.
Die Kampagne bei Air Liquide kommt zu einem Zeitpunkt, an dem aktivistische US-Investoren zunehmend bereit sind, grosse europäische Unternehmen ins Visier zu nehmen. Banken haben ihre Dienstleistungen im Bereich der Abwehr aktivistischer Investoren ausgebaut, da sich Unternehmen auf den Druck der Aktionäre vorbereiten, der auf Kostensenkungen, Portfoliovereinfachungen und mögliche Aufspaltungen abzielt.
Das in Paris ansässige Unternehmen ist neben Linde und Air Products einer der drei Hauptanbieter von Industriegasen. Das Unternehmen gewinnt und liefert Gase wie Sauerstoff und Stickstoff, die in Montagelinien und Mikrochipfabriken eingesetzt werden. Die Gewinnmargen blieben in der Vergangenheit hinter denen der Konkurrenz zurück.
Strategie mit überdurchschnittlichen Gewinnen
Elliott Investment Management, einer der grössten aktivistischen Investoren, verwaltete im Juni ein Vermögen von rund 80 Milliarden Dollar. Hinter Elliott steht Paul Singer, einer der erfolgreichsten Investoren an der Wall Street. Mit seinem Investmentvehikel hat er seit 1995 regelmässig den S&P 500 Index in der Performance um mehr als 5 Prozent geschlagen.
Singer war ein Pionier des aggressiven «Vulture Investing» oder übersetzt «Geierinvestierens», indem er notleidende Staats- oder Unternehmensanleihen mit hohen Abschlägen kaufte und mit unerbittlichen rechtlichen Schritten die vollständige Auszahlung erzwang. Besonders bekannt wurde er durch die Sicherung einer Auszahlung auf Obligationen des Staates Argentinien nach einem 15-jährigen Rechtsstreit, die dem Hedgefonds-Manager einen Milliardengewinn einbrachte.
Dabei schreckt die Investorenlegende auch nicht vor bekannten Namen zurück. Zu den grössten und bekanntesten Positionen in seinem Fonds zählen der Erdölkonzern Phillips 66, die Energiefirma Suncor sowie Hewlett Packard Enterprise, Southwest Airlines, Pinterest und Etsy.
Das Vorgehen ist dabei immer ähnlich. Im Juni 2024 zum Beispiel gab Elliott Investment Management eine Beteiligung von rund 1,9 Milliarden US-Dollar an Southwest Airlines bekannt. Nach eingehender Analyse bezeichnete der Hedgefonds die US-Fluggesellschaft als die vielversprechendste Sanierungsmöglichkeit im Airline-Sektor seit zwei Jahrzehnten, so das Wall Street Journal damals.
Der Hauptkritikpunkt war die schwache Performance der Aktie. Der Titel notierte damals bei rund 24 Dollar, was nahe an den Tiefstständen vom März 2020 während der COVID-Pandemie war. Und dies, obwohl die amerikanische Luftfahrtbranche zu jenem Zeitpunkt insgesamt wieder starke Umsätze und Gewinne verzeichnete.
Southwest wehrte sich zunächst mit einer Abwehrstrategie, die auf Konfrontation mit Elliott abzielte, und kündigte eigene Änderungen an wie reservierte Sitzplätze, Premium-Sitze und Nachtflüge. Nach monatelangem, öffentlichem Druck und einem drohenden Machtkampf einigten sich die beiden Parteien im Oktober 2024, wie Bloomberg berichtete. Die Fluggesellschaft berief sechs neue Direktoren - fünf von Elliott nominierte Kandidaten, darunter die ehemaligen CEOs von Virgin America und WestJet sowie den ehemaligen Chevron-Finanzchef Pierre Breber.
Gemäss Barrons reduzierte Elliott die Position später aus Portfoliogründen. Anfang 2026 hielt das Unternehmen etwa 9 Prozent der Stammaktien. Weitere Verkäufe im Jahr 2026 verringerten den Bestand erneut. Zwei von Elliott unterstützte Direktoren traten zudem im Februar 2026 zurück, woraufhin der Vorstand verkleinert wurde. Elliott Investment Management erklärte, weiterhin ein bedeutender Aktionär bleiben zu wollen, und zeigte sich zuversichtlich, dass die laufenden Initiativen zu höherer Rentabilität und Wertsteigerung bei Southwest Airlines führen werden.
Die Kampagne bei Southwest gilt allgemein als Erfolg des aktivistischen Investors im Luftfahrtsektor. Seit dem Einstieg bei geschätzten 23 bis 24 Dollar hat sich der Titel innert zweier Jahre auf ein Zwischenhoch von 55 Dollar mehr als verdoppelt, ehe sich die Kurse seit Anfang 2026 wegen des Irankriegs zurückentwickelten. Am Dienstag notieren die Aktien vorbörslich bei 38,15 Dollar. Das ist etwas mehr als 50 Prozent über dem Einstandspreis von Singers Hedgefonds.

