Nach dem erzwungenen Abgang beim von ihm gegründeten World Economic Forum (WEF) ist Klaus Schwab hauptsächlich als Buchautor aktiv: Demnächst erscheint sein bereits fünftes Werk zum Intelligent Age. Nun hat der 88-Jährige auch ein erstes VR-Mandat angenommen, beim Schweizer Start-up MindGuard. Die Firma, gegründet erst letztes Jahr vom Neurowissenschaftler Benjamin Bargetzi, unterstützt mithilfe von KI ukrainische Veteranen bei der Überwindung von Posttraumatischen Belastungsstörungen.
«Ich mache das aus einer rein karitativen Sicht heraus», sagt Schwab. «Etwas Wirkungsvolles auf sozialer Ebene zu tun, passt in mein Konzept der Social Entrepreneurship.» Der frühere Wirtschaftsprofessor sieht seine Rolle «hauptsächlich als strategischer Berater». Zahllose andere VR-Anfragen habe er abgelehnt, «vor allem solche von Organisationen, die in einem ähnlichen Bereich tätig sind wie das WEF».
Bargetzi war zwei Jahre lang Schwabs persönlicher KI-Berater und setzte für das WEF Technologieprojekte in den USA, Saudi-Arabien und Aserbaidschan um. «Er ist mein Mentor», sagt Bargetzi, der regelmässig in die Ukraine reist. MindGuard führt dort mit ihren acht Angestellten die ersten klinischen Tests mit 500 Armeeangehörigen durch: «Wir helfen Menschen, die in der Hölle waren», so Bargetzi. Danach soll neben dem ukrainischen Staat auch die NATO als Kunde gewonnen werden; zu einem späteren Zeitpunkt ist die Expansion in den Firmenkundenmarkt (Consulting, Tech, Banking, Pharma) zur Burn-out-Prävention geplant.
MindGuard hat die erste Seed-Runde hinter sich, den Firmenwert schätzt Bargetzi auf 20 Millionen Franken. Zum Jahreswechsel soll eine Series-A-Finanzierungsrunde lanciert werden: «Dann gehen wir all-in», so Bargetzi. «MindGuard muss sich jetzt in einem sehr herausfordernden Umfeld beweisen», beschreibt Schwab die Aussichten. Im Board sitzt neben ihm und Bargetzi auch der erste Investor, Mountain-Partners-Gründer Conny Boersch.
Noch ein weiteres grosses Projekt beschäftigt Schwab derzeit: Er will die wichtigsten Unis der Welt zusammenbringen, um gemeinsam Kurse für Lifelong Learning anzubieten. «Weltweit werden gut ausgebildete und gut verdienende Menschen durch KI ersetzt», hat er beobachtet. «Diese Leute müssen auf dem Laufenden bleiben.» Ein jährliches Zertifizierungsprogramm soll das bestätigen. Im ersten Schritt werden zwölf Universitäten aus Europa, den USA und Asien teilnehmen.
Dieser Artikel erschien zuerst in der Bilanz.
