Der Frankfurter Börsenbetreiber hat sich mit der spanisch-britischen Allfunds und deren Grossaktionären auf eine Übernahme geeinigt, wie beide Unternehmen am Mittwochabend mitteilten. Die Deutsche Börse bietet in bar, eigenen Aktien und einer Dividende insgesamt 8,80 Euro je Allfunds-Aktie. Der Finanzinvestor Hellman & Friedman (36,1 Prozent) und die französische Bank BNP Paribas (12,8 Prozent) sind bereit, ihre Aktien an die Deutsche Börse zu verkaufen.
Diese ist mit der Tochter Clearstream Fund Services bereits in dem Geschäft vertreten, ist aber vor allem in Deutschland und der Schweiz aktiv. Allfunds deckt vor allem Spanien, Frankreich und Italien ab. Mit dem Zusammenschluss der beiden führenden Anbieter in Europa kann die Deutsche Börse ihren Marktanteil auf dem Kontinent etwa verdoppeln. Die Brüsseler Wettbewerbsbehörden dürften daher genau darauf schauen. Deshalb rechnet die Börse mit dem Abschluss der Übernahme auch erst in einem Jahr. «Die Akquisition ist der nächste Schritt in der Entwicklung der Deutsche Börse Group als europäischer Champion für kritische Finanzmarkt-Infrastruktur», sagte Börse-Vorstandschef Stephan Leithner.
Allfunds bietet Fondsmanagern und -vertrieben eine Plattform für Handel und Abwicklung, Datenanalysen und Compliance-Systeme. Mit der Software können Allfunds-Kunden Investmentfonds beobachten und handeln, Fonds-Häuser können die Wertentwicklung in ihrem Portfolio sowie Zu- und Abflüsse in und aus den Fonds verfolgen. Für die 2021 an die Amsterdamer Börse gegangene Allfunds hatten sich in den vergangenen Jahren die Schweizer Börse SIX und die französische Euronext interessiert. Euronext zog 2023 aber ein rund 5,5 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot zurück.
Allfunds-Aktien bekommen mehr Cash
Die Deutsche Börse hatte Ende November Gespräche über eine Übernahme von Allfunds bestätigt. Der Wert der Offerte hat sich seither nicht verändert, allerdings bekommen die Aktionäre von Allfunds im Vergleich zu den ursprünglichen Plänen mehr Bargeld und weniger Deutsche-Börse-Aktien. Die Frankfurter bieten nun 6,00 Euro in bar, neue Aktien im Wert von 2,60 Euro und 20 Cent Dividende. Vor dem Bekanntwerden der ersten Gespräche hatte die Allfunds-Aktie bei 6,64 Euro notiert, am Mittwoch schloss sie bei 7,96 Euro. Die Offerte liegt gut zehn Prozent darüber. Die Deutsche-Börse-Aktie ist seit November von 213,40 auf 209,30 Euro abgebröckelt.
Die heutigen Aktionäre von Allfunds hielten nach der Übernahme knapp vier Prozent an der Deutschen Börse. Die Börse braucht im Zuge eines britischen Gerichtsverfahrens (Scheme of Arrangement) die Zustimmung von 75 Prozent der Allfunds-Eigentümer, damit der Kauf zustandekommt.
Die Deutsche Börse sprach von einer «äusserst überzeugenden Gelegenheit, einen wirklich globalen Weltklasse-Anbieter von Fondsdienstleistungen zu schaffen». Beide Unternehmen ergänzten sich in der Produktpalette, dem Kundenstamm und den Märkten. «Damit können wir unsere Distributoren und Fondspartner noch besser unterstützen und die Wealth-Management-Industrie voranbringen», sagte Allfunds-Chefin Annabel Spring. Die Deutsche Börse erhofft sich von der Übernahme mehr Wachstum in dem Geschäft, Kostensenkungen von 60 Millionen Euro im Jahr und 30 Millionen Euro weniger Investitionen. Die Hälfte dieser Synergien lasse sich bis 2028 realisieren. Der Gewinn je Aktie soll damit um bis zu neun Prozent steigen.
(Reuters)
