Das Neugeschäft sank im Januar um 11,1 Prozent zum Vormonat ‌und damit ⁠so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr, wie das Statistische Bundesamt ⁠am Montag mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang von ‌4,5 Prozent gerechnet. Im Dezember hatte es mit 6,4 ‌Prozent - dank Rückenwind durch Grossaufträge - ​noch ein kräftiges Plus gegeben. Klammert man Grossbestellungen aus, lagen die Aufträge zum Jahresstart nur leicht mit 0,4 Prozent im Minus.

«Der Rückgang war erwartbar, er ist vom Ausmass her ein Schock», kommentierte Chefökonom Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser ‌Lampe Privatbank. «Zuletzt waren viele Grossaufträge vergeben worden, die jetzt fehlen.» An der moderaten Belebung der Auftragslage ändere sich zunächst nichts. Das Fiskalpaket der Bundesregierung dürfte auch ​in den nächsten Monaten für Impulse sorgen. «Die volleren Auftragsbücher sollten die ​Produktion über kurz oder lang steigern», ​sagte der Analyst. «Der Funke muss aber auf Kapazitäten und Beschäftigung erst noch überspringen.» Ein Rohölpreis, ‌der für längere Zeit über 100 Dollar je Barrel liege, bremse die Erholung.

«Die Industriekonjunktur hat sich damit zu Jahresbeginn sowohl nachfrage- als auch produktionsseitig spürbar abgeschwächt», ​erklärte ​das Bundeswirtschaftsministerium. Vor dem Hintergrund der ⁠Konflikte im Nahen Osten, die sich noch nicht ​in den Indikatoren widerspiegelten, ⁠und den deutlich gestiegenen Rohöl- und Gaspreisen auf den Weltmärkten sei «das Risiko für ‌einen Rückschlag bei der erwarteten Erholung der Industriekonjunktur deutlich gestiegen».

Während die Nachfrage aus dem Inland im Januar um 16,2 Prozent zum ‌Vormonat einbrach, sank die aus dem Ausland um ​7,1 Prozent. Dabei fiel die Nachfrage aus der Euro-Zone um 7,3 Prozent, die aus dem Rest der Welt sank um 7,1 Prozent. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

Jens-Oliver Niklasch, LBBW:

«Die ⁠Zahlen sind nichts für schwache Nerven. Mit einem deutlichen Rückgang des Auftragseingangs war aufgrund der starken Vormonate ja allgemein gerechnet worden. ‌Dass es gleich zweistellig abwärts geht, ist dann aber doch eine herbe Ernüchterung. ‌Dazu der erneute Rückgang in der Produktion, auch wenn ​ein Minus um 0,5 Prozent eher im normalen Schwankungsbereich liegt. Nachdem in der Summe die Zahlen aus der Industrie in den Vormonaten überwiegend positiv überraschten, hat sich heute die Konjunktur wieder von ihrer unbeständigen Seite gezeigt. Dazu der dramatische Anstieg des Ölpreises. Die Rufe nach staatlichen Eingriffen, sei es durch die Fiskalpolitik, sei ‌es durch die Geldpolitik, werden wieder lauter werden. In der Summe halten wir aber zunächst weiter daran fest, dass im laufenden Jahr die Konjunkturzahlen besser sein werden als im Vorjahr.»

Michael Herzum, Union Investment:

«Der Auftragseingang in ​Deutschland ist im Januar nach vier starken Monaten in Folge um 11,1 Prozent ​deutlich zurückgegangen. Entscheidend waren allerdings die volatilen Grossaufträge. Sofern der aktuell hohe ​Ölpreis nur ein vorübergehendes Phänomen bleibt, sind Sorgen um die Industrie in diesem Jahr daher nicht angebracht. Der Rückgang der Aufträge ist ‌nur eine Normalisierungsbewegung im Aufschwung. Dank der kräftigen Neubestellungen der vergangenen Monate sind die Auftragsbücher vieler Unternehmen so gut gefüllt wie selten zuvor. Rein rechnerisch könnte die deutsche Industrie acht Monate lang produzieren – ohne einen einzigen ​neuen Auftrag.

Die ​robuste Auftragslage ist vor allem auf die Investitionen der ⁠Bundesregierung in Verteidigung und Infrastruktur zurückzuführen. Die Fiskalausgaben greifen und ​stärken die Perspektiven für Produktion und ⁠Investitionen in neue Fertigungsanlagen. Die Industrie sollte 2026 von der früheren Wachstumsbremse zum Wachstumsmotor werden, sollte der ‌Irankrieg nicht dauerhaft eskalieren.»

Alexander Krüger, Chefökonom Hauck Aufhäuser Lampe:

«Der Funke aus volleren Auftragsbüchern ist auf die Produktion noch nicht übergesprungen. Nach dem schwachen Vormonat zeigt sie keine Erholung. Zentral bleibt, ‌dass die volleren Auftragsbücher in einen Produktionsanstieg münden. Ob Kapazitäten von Unternehmen aber einfach ​hochgefahren werden, ist unklar. Das liegt insbesondere auch an der politischen Unsicherheit. Unternehmen sind auch deshalb weiterhin weniger bereit, Beschäftigte zu halten. Durch den Iran-Konflikt ist neuer Druck für Lieferketten und Margen entstanden. Das Ziel bleibt es, mit ‌dem Fiskalpaket einen Kapazitätseffekt zu erreichen.»

(Reuters)