Die deutschen Konsumenten haben den Ölpreisschock vorläufig verarbeitet und sind weniger pessimistisch. Der Indikator für das Konsumklima für Juni steigt überraschend um 3,3 Zähler auf minus 29,8 Punkte, wie die Marktforscher vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) am Freitag mitteilten. Trotz des Anstiegs sei das Niveau vergleichsweise niedrig. «Da der Konflikt im Nahen Osten bislang nicht weiter eskaliert ist, scheint ein Teil der geopolitischen Unsicherheit inzwischen in den Erwartungen der Verbraucher eingepreist zu sein», erklärte NIM-Experte Rolf Bürkl. Die Verbraucherstimmung beende, zumindest für den Moment, ihren Sinkflug. Die Belastungen durch den Iran-Konflikt blieben aber in der Grundtendenz bestehen und seien im Konsumklima weiterhin sichtbar.
Die Einkommenserwartungen, die sich mit Beginn des Irankrieges deutlich eingetrübt hatten, fallen im Mai merklich positiver aus als im April. Das Barometer steigt auf minus 13,0 Punkte - ein Plus von 11,4 Zählern im Vergleich zum Vormonat. Die Anschaffungsneigung, also die Bereitschaft zu grösseren Käufen wie etwa Autos oder Computer, bleibt trotz eines leichten Anstiegs weiter verhalten. Dieser Indikator verbessert sich um 1,2 Punkte im Vergleich zum Vormonat und liegt nun bei minus 13,2 Punkten. «Der Indikator, der sich ohnehin seit Längerem im Minus befindet, bleibt daher weiterhin eingetrübt und signalisiert, dass die Verbraucher es derzeit nicht besonders ratsam finden, grössere Anschaffungen zu tätigen», erläutert Bürkl.
Zugleich ist die Sparneigung weiter leicht rückläufig. Sie gibt an, ob es die Menschen angesichts der Wirtschaftslage derzeit für ratsam halten, Geld auf die hohe Kante zu legen. Die Sparneigung steht nach dem Rückgang um 2,2 Zähler nun bei 13,9 Punkten. Im langfristigen Vergleich ist dieser Wert laut den Forschern nach wie vor sehr hoch, allerdings etwas niedriger als noch zu Beginn des Jahres. Die NIM-Daten basieren auf einer Umfrage von rund 2000 Verbrauchern zwischen dem 30. April und dem 11. Mai.
(Reuters)

