Die Ausfuhren in die weltgrösste Volkswirtschaft sanken um 21,4 Prozent im Vergleich ‌zum ⁠Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt im Juni 2020 mit 27,4 ⁠Prozent, als die Pandemie für enorme Verwerfungen sorgte. Auch verglichen mit dem Vormonat sanken die US-Exporte mit 7,9 Prozent auf 11,2 Milliarden ‌Euro ungewöhnlich kräftig. Trotzdem blieben die USA der wichtigste Auslandsmarkt für die deutsche ‌Industrie.

«Die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trump hinterlässt deutliche Bremsspuren», ​erklärte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, die geringere Nachfrage aus den Vereinigten Staaten. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, sprach von einem «dramatischen Kollaps deutscher Ausfuhren in die USA». «Die Exporte in die Vereinigten Staaten gaben im Jahresvergleich um mehr als ein Fünftel nach – Rückgänge, die historisch sonst nur in dramatischen Krisenzeiten ‌wie zum Höhepunkt der Covid-Pandemie zu beobachten waren», fügte Dullien hinzu. «Hier sind die zerstörerischen Folgen Trumps gut zu beobachten.»

«Bereits Ankündigung neuer Zölle erhöht Unsicherheit»

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) verwies zudem auf die deutliche Abwertung des Dollar. Dadurch werden ​deutsche Importwaren teurer, was zur sinkenden Wettbewerbsfähigkeit beiträgt. Ein Euro kostete derzeit etwa 1,1745 Dollar, ​ein Anstieg von rund fünf Prozent binnen eines Jahres.

Eine rasche Trendwende ​für das US-Geschäft erwarten Experten nicht, zumal Trump mit neuen Zöllen für Fahrzeuge aus der Europäischen Union gedroht hat. Diese könnten von ‌15 auf 25 Prozent steigen und würden das wichtige US-Geschäft der nAutobauer spürbar belasten. Das würde die Wettbewerbsposition europäischer Hersteller gegenüber Anbietern aus anderen Staaten verschlechtern, sagte IfW-Konjunkturexperte Nils Jannsen. Ob und in welchem Umfang neue Zölle tatsächlich umgesetzt ​werden, ist derzeit ​unklar. «Bereits die Ankündigung möglicher neuer Zölle dürfte jedoch die ⁠handelspolitische Unsicherheit erhöhen und dadurch die Konjunktur dämpfen», betonte der Experte.

Trump ​hat der Europäischen Union (EU) mit ⁠einer drastischen Erhöhung von Zöllen gedroht, sollte sie ihre Verpflichtungen aus dem gemeinsamen Handelsabkommen nicht bis zum 4. ‌Juli erfüllen. Er habe am Donnerstag mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gesprochen und ihr diese Frist gesetzt, sagte Trump. Die EU hatte sich im Sommer 2025 mit den USA auf ‌ein Handelsabkommen verständigt. Darin wurde unter anderem die Senkung der Autozölle von damals 27,5 auf ​15 Prozent für Einfuhren aus der EU festgehalten - ein Mehrfaches des früheren Wertes. Von der Leyen erklärte in einer ersten Stellungnahme, sie sehe gute Fortschritte auf dem Weg zu einer Senkung der Zölle zwischen der EU und den USA ‌bis Anfang Juli. 

(Reuters)