«Noch sind die wirtschaftlichen Folgen nicht klar abzusehen», ‌sagte der Aussenwirtschaftschef ⁠der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, am Montag. «Negative Auswirkungen zeichnen sich jedoch insbesondere durch steigende Ölpreise ⁠sowie zu befürchtende neue Lieferkettenprobleme ab.»

Etwa 1800 deutsche Unternehmen sind der DIHK zufolge in den Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) aktiv, also in den Vereinigten ‌Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar. «Für viele, gerade für kleinere ‌und mittlere Betriebe, ist die Region ein wichtiger Markt ​und Investitionsstandort», sagte Treier. «Entsprechend eng sind die wirtschaftlichen Verflechtungen.» Hinzu komme die energiepolitische Dimension. Etwa ein Fünftel der weltweiten Energieimporte passiert täglich die Strasse von Hormus. Deutschland sei auf Öl- und Flüssigerdgas-Lieferungen angewiesen. Zugleich sei die Golfregion ein neuralgischer Knoten im globalen Containerverkehr und in der Luftfahrt. «Weitere Störungen – etwa im Roten Meer – würden internationale Logistikketten empfindlich treffen, und ‌damit auch die deutsche Wirtschaft», warnte DIHK-Experte Treier.

Wachsende Bedeutung

Die durch den Iran-Krieg in den Fokus geratenen Golfstaaten sind nicht nur wichtige Öllieferanten, sondern auch ein wachsender Absatzmarkt für deutsche Exporteure. 2025 verkauften sie Waren im Wert von rund ​25 Milliarden Euro in die sechs Länder, so die bundeseigene Wirtschaftsfördergesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI). ​Das waren elf Prozent mehr als 2024.

«Die Staaten des arabischen Golfes ​sind für die deutsche Wirtschaft von zentraler strategischer Bedeutung», sagte die Nahost-Expertin von GTAI, Heena Nazir, der Nachrichtenagentur Reuters. «Sie fungieren zugleich als wichtige ‌Absatzmärkte für deutsche Exporte, als Schlüsselregion für Energie- und Rohstoffimporte sowie als unverzichtbarer Knotenpunkt globaler Liefer- und Transportketten.» Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran und die anschliessende Eskalation in der Region verdeutlichten, wie eng die ​wirtschaftliche Stabilität Deutschlands ​und Europas mit der Sicherheitslage im Golfraum verknüpft sei.

Deutschland ⁠liefert unter anderem Fahrzeuge in die Golfstaaten - besonders nach Saudi-Arabien und ​in die Emirate. 2025 summierten ⁠sich diese Exporte auf knapp 4,2 Milliarden Euro. Noch etwas mehr Umsatz machen die Maschinenbauer mit rund fünf Milliarden ‌Euro. Maschinen zur Energieerzeugung gehen ebenso dorthin wie Spezialmaschinen. Auch Transportausrüstungen - insbesondere für die Luftfahrt - gehen in die Region, ebenso Pharma- und Chemieprodukte sowie Messtechnik.

Die Importe aus den sechs ‌Golfstaaten summierten sich im vergangenen Jahr auf rund 6,3 Milliarden Euro. Eingeführt werden vor allem ​Energie- und Vorprodukte aus der Region, etwa Erdöl und Flüssigerdgas.

Der Konflikt im Nahen Osten hat sich am Montag erneut ausgeweitet. Während Israel und die USA ihre Angriffe auf den Iran und dessen Verbündete intensivierten, startete Teheran eine neue Welle ‌von Raketenangriffen.

(Reuters)