Angetrieben vom Exportgeschäft ist die deutsche Wirtschaft mit relativ viel Schwung ins Jahr gestartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von Januar bis März um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte. Damit wurde eine frühere Schätzzahl bestätigt. «Nach dem leichten Wachstum zum Jahresende 2025 ist die deutsche Wirtschaft auch positiv ins Jahr 2026 gestartet», sagte Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. Vor allem die Exporte stiegen zu Jahresbeginn deutlich und stützten die Wirtschaftsleistung.
Der Handel mit dem Ausland nahm im ersten Quartal kräftig zu: So wurden insgesamt 3,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, nachdem im Schlussquartal 2025 noch ein Rückgang der Ausfuhren zu verzeichnen war. Zur positiven Entwicklung zu Jahresbeginn trugen etwa die gestiegenen Exporte von chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sowie Metallen bei. Die Importe erhöhten sich zu Jahresbeginn insgesamt nur leicht - und zwar um 0,1 Prozent.
Wie schon in den Quartalen zuvor nahmen die Konsumausgaben insgesamt zu, sie stiegen um 0,4 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2025. Dabei erhöhte der Staat seine Konsumausgaben mit 1,1 Prozent deutlich. Die Ausgaben der privaten Haushalte übertrafen dagegen das Niveau des Schlussquartals 2025 nicht. «Sie entwickelten sich den neuesten Berechnungen zufolge, gestützt auf eine breitere Datengrundlage, etwas schwächer als noch bei der BIP-Schnellmeldung vom 30. April 2026 angenommen», erklärten die Statistiker.
Winter bremst Investitionen am Bau
Die Bruttoanlageinvestitionen gingen zu Jahresbeginn deutlich zurück (-1,5 Prozent), nachdem sie Ende 2025 noch gestiegen waren. Die Investitionen in Ausrüstungen – also vor allem in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge – sanken um 1,2 Prozent, was auf schwächere staatliche Ausrüstungsinvestitionen zurückzuführen ist. Die Investitionen in Bauten nahmen mit 2,5 Prozent noch stärker ab. Dies ist laut Destatis vor allem der ungewöhnlich kalten Witterung im Januar und Februar geschuldet, die den Baufortschritt bremste.
Trotz des relativ dynamischen Jahresauftakts droht Europas grösster Volkswirtschaft ein weiteres maues Jahr. Wegen der Folgen des Iran-Kriegs halbierte die EU-Kommission ihre Wachstumsprognose auf 0,6 Prozent. Der am 28. Februar begonnene Krieg dürfte zudem den üblichen Frühjahrsaufschwung ausfallen lassen. Das BIP könnte im Frühling stagnieren: Die gestiegene Inflation und damit einhergehende Kaufkraftverluste drückten den privaten Konsum, betonte die Bundesbank. Hohe Energiepreise und Lieferengpässe belasteten Industrie und Bau. Gestiegene Zinsen seien ein weiterer Belastungsfaktor für die privaten Investitionen.
(Reuters)

