Knapp drei Monate nach dem durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisschock lernen Verbraucher und ‌Wirtschaft allmählich, ⁠mit den Folgen zu leben. So verbesserte sich die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai überraschend - und zwar ⁠auf 84,9 Punkte nach revidierten 84,5 Zählern im April, wie das Münchner Ifo-Institut am Freitag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Die Forscher sehen Deutschland konjunkturell allerdings ‌noch längst nicht über den Berg, auch wenn die Wirtschaft mit Schwung ins Jahr gestartet ist.

«Die ‌deutsche Wirtschaft arrangiert sich mit der aktuell schwierigen Lage», sagte Ifo-Umfragechef ​Klaus Wohlrabe der Nachrichtenagentur Reuters. Viele Experten sehen in der Stimmungsaufhellung in den Chefetagen noch kein Anzeichen für eine Trendwende: «Der leichte Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas bedeutet nur, dass sich dieser wichtige Konjunkturindikator nach zwei Einbrüchen in Folge auf einem niedrigen Niveau stabilisiert hat», meint Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Der Trend weise weiter klar nach unten: «Der Iran-Krieg und der hohe Ölpreis fordern ihren Tribut.»

Der am 28. Februar begonnene Krieg dürfte zudem dafür sorgen, dass der übliche ‌Frühjahrsaufschwung ausfällt. Die Bundesbank rechnet für das Frühjahr mit einer Stagnation, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 0,3 Prozent zugelegt hatte. Das Statistische Bundesamt (Destatis) bestätigte damit eine frühere Schätzzahl. «Nach dem leichten Wachstum zum Jahresende 2025 ist die deutsche Wirtschaft auch positiv ins Jahr 2026 gestartet», sagte Destatis-Präsidentin Ruth Brand. Vor ​allem die Exporte stiegen zu Jahresbeginn deutlich und stützten die Wirtschaftsleistung.

Der Handel mit dem Ausland nahm im ​ersten Quartal kräftig zu: So wurden insgesamt 3,3 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, ​nachdem im Schlussquartal 2025 noch ein Rückgang der Ausfuhren zu verzeichnen war. Wie schon in den Quartalen zuvor nahmen die Konsumausgaben insgesamt zu, sie stiegen um 0,4 Prozent im ‌Vergleich zum vierten Quartal 2025. Dabei erhöhte der Staat seine Konsumausgaben mit 1,1 Prozent deutlich. Die Ausgaben der privaten Haushalte übertrafen dagegen das Niveau des Schlussquartals 2025 nicht.

Konsumentenstimmung berappelt sich etwas

Die Konsumenten haben aber ähnlich wie die Führungskräfte der Wirtschaft den Ölpreisschock mittlerweile verarbeitet und sind weniger pessimistisch. Der ​Konsumklimaindikator für ​Juni stieg überraschend um 3,3 Zähler auf minus 29,8 Punkte, wie ⁠die Marktforscher vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) mitteilten. Trotz des Anstiegs sei das Niveau vergleichsweise ​niedrig. «Da der Konflikt im Nahen ⁠Osten bislang nicht weiter eskaliert ist, scheint ein Teil der geopolitischen Unsicherheit inzwischen in den Erwartungen der Verbraucher eingepreist zu sein», erklärte NIM-Experte Rolf Bürkl.

Mehr ‌als zur Kenntnis nehmen könne man das Ergebnis nicht, meint der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger: «Die Stimmung ist weiterhin mies, darüber darf sich niemand wundern. Das Preisniveau ist durch den Iran-Krieg erneut ruckartig gestiegen. Inflationsängste der Verbraucher sind ‌fest verankert, sie dämpfen Ausgabewünsche.»

Im April waren die Verbraucherpreise um 2,9 Prozent zum Vorjahresmonat gestiegen und ​damit so stark wie seit Anfang 2024 nicht mehr. Preistreiber Nummer eins blieb Energie: Sie verteuerte sich im April um 10,1 Prozent zum Vorjahresmonat. Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, verweist darauf, dass der Privatkonsum eine der Säulen ist, auf denen Erholungshoffnungen für die Wirtschaft basieren: «Mit dem Iran-Krieg ‌ist diese Hoffnung nun angeschlagen.» 

(Reuters)