Der Umsatz wuchs im April nur dank Preiserhöhungen um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie ‌das Statistische ⁠Bundesamt am Montag mitteilte. Inflationsbereinigt (real) gab es dagegen einen Rückgang von 0,3 Prozent - das ⁠vierte Minus in Folge. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten hier sogar einen Rückgang von 0,5 Prozent ‌vorausgesagt. Auch im Vergleich zum Vorjahresmonat sanken die realen Umsätze ‌um 0,3 Prozent.

Experten führen das schwache ​Abschneiden auf die erhöhte Inflation infolge der durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Energiepreise zurück, die an der Kaufkraft der Kunden nagt. «Der Einzelhandelsumsatz hat einen Knacks, von dem er sich zurzeit nicht erholt», sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. «Mit den gestiegenen Energiepreisen liegt ‌die Ursache auf den Hand.» Wegen der hohen Unsicherheit dürften die Verbraucher ihr Geld vorerst beisammen halten.

Auffällig war im April erneut die Entwicklung der Umsätze der Tankstellen infolge des Kriegs ​im Nahen Osten: Diese sanken real um 4,0 Prozent zum Vormonat. ​Hier sind auch die Verkäufe in den Tankstellenshops ​enthalten. Der Umsatz im Einzelhandel mit Lebensmitteln wuchs dagegen um 3,2 Prozent zum Vormonat, während der mit Nicht-Lebensmitteln ‌um 2,2 Prozent abnahm. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete ein Umsatzminus von real 4,7 Prozent.

Die gesamte Einzelhandelsbranche steht seit Jahren unter Druck. So ist die Zahl der kleinen Geschäfte mit ​einem Jahresumsatz von ​unter 250.000 Euro ist einer Creditreform-Studie zufolge ⁠zwischen 2010 und 2025 um 28 Prozent von rund ​236.100 auf etwa 170.800 ⁠gesunken. Im gleichen Zeitraum habe sich hingegen die Zahl der grossen Einzelhandelsunternehmen mit Umsätzen von ‌über 25 Millionen Euro verdoppelt.

Hoffnung auf leichte Besserung macht eine Verbraucherumfrage: Der Indikator für das Konsumklima für Juni stieg um 3,3 Zähler auf minus ‌29,8 Punkte, wie die Marktforscher vom Nürnberg Institut für Marktentscheidungen (NIM) mitteilten. «Da ​der Konflikt im Nahen Osten bislang nicht weiter eskaliert ist, scheint ein Teil der geopolitischen Unsicherheit inzwischen in den Erwartungen der Verbraucher eingepreist zu sein», erklärte NIM-Experte Rolf Bürkl.

(Reuters)