Die Exporte in die USA könnten dadurch um rund zwei Prozent steigen, heisst es in einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch vorab vorlag. Der Grund: Die hiesigen Frachtflotten sind weniger auf Schiffe aus chinesischer Produktion angewiesen, weshalb die deutschen Exporteure den betroffenen Konkurrenten Marktanteile abknöpfen könnten. Die US-Regierung will mit den Gebühren Chinas Dominanz im Schiffbau brechen und begründet dies mit Interessen der nationalen Sicherheit. Sie sollen danach erhoben werden, wo ein Schiff gebaut wurde - und nicht danach, wessen Waren es befördert.
Der DIW-Studie zufolge schaden sich die USA mit den ab November geplanten Gebühren vor allem selbst. Die Importe und Exporte der weltgrössten Volkswirtschaft gingen demnach um schätzungsweise 0,2 beziehungsweise 0,3 Prozent zurück. «Der Mechanismus ist einfach», sagte DIW-Ökonomin Sonali Chowdhry. «Die Gebühren erhöhen die Kosten für Vorleistungen, US-Hersteller verlieren an Wettbewerbsfähigkeit und die schwächere Konjunktur drückt zudem die Nachfrage nach ausländischen Gütern.»
Noch stärker wären andere Länder betroffen. Innerhalb der EU müssten vor allem Finnland (minus 5,0 Prozent), Dänemark (minus 4,4 Prozent) und Polen (minus 3,0 Prozent) mit deutlichen Einbussen bei ihren Ausfuhren in die USA rechnen. «Die Hafengebühren auf in China gebaute Schiffe sind eine neue Eskalationsstufe im Handelskonflikt», sagte Chowdhry. «Erstmals geraten nicht nur Waren, sondern auch die Transportmittel selbst ins Visier.» Besonders hart träfen die Massnahmen demnach exportabhängige Schwellenländer wie Costa Rica, Vietnam oder Pakistan, deren Ausfuhren in die USA um bis zu fast neun Prozent einbrechen könnten. Als einer der wenigen Profiteure ausserhalb Europas gilt Südkorea: Das Land könnte wie Deutschland mit einem Exportzuwachs von rund zwei Prozent rechnen.
Seit den 1990er Jahren hat sich den Angaben zufolge der Bau von Handelsschiffen in die Volksrepublik verlagert: Inzwischen stammt rund die Hälfte aller neu gebauten Handelsschiffe aus China. Der Marktanteil der EU ist demnach bei neu gebauten Handelsschiffen in den vergangenen 30 Jahren von 17 auf weniger als drei Prozent gesunken. Deutschlands Anteil sank von rund sechs Prozent der weltweit neu gebauten Schiffe im Jahr 1995 auf zuletzt weniger als 0,1 Prozent.
(Reuters)

