Dabei soll auch ein Sparprogramm helfen, mit dem der Bonner ‌Konzern im ⁠vergangenen Jahr Tausende von Stellen auch ausserhalb Deutschlands gestrichen hat. An seinen Investitionen in der Golfregion - rund eine halbe Milliarde Euro sind bis 2030 vorgesehen - will Konzernchef Tobias Meyer ⁠festhalten. Die Krise biete auch Chancen, bilanzierte der Manager am Donnerstag in Troisdorf bei Bonn. Er blicke zuversichtlich auf 2026. Die Anleger teilten seinen Optimismus indes nicht. DHL-Aktien gaben bis zum Mittag um ‌mehr als drei Prozent nach, zeitweise waren die Papiere grösster Verlierer im deutschen Leitindex Dax.

«Die Volatilität der Weltwirtschaft wird ‌uns auch im Jahr 2026 begleiten», sagte Meyer, dessen Vertrag der Aufsichtsrat am Mittwoch ​bis März 2031 verlängert hatte. Trotz der Entwicklung will DHL nun ein operatives Ergebnis (Ebit) von über 6,2 Milliarden Euro erzielen - nach 6,1 Milliarden Euro 2025. «Unsere Prognose kalkuliert explizit keine Verbesserung des weltwirtschaftlichen Umfelds ein», unterstrich Meyer.

«Wir haben 2025 unsere Ziele erreicht - auch durch strukturelle Kostenverbesserungen», sagte der DHL-Chef. Der Umsatz sank unter anderem wegen schrumpfender Sendungsvolumina der wichtigen Express-Sparte in die USA um 1,6 Prozent auf 82,9 Milliarden Euro. Das Ebit legte dagegen dank der Einsparungen um 3,7 Prozent auf 6,1 Milliarden Euro ‌zu, unter dem Strich kletterte der Gewinn um über fünf Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen für 2025 je Aktie 1,90 Euro Dividende erhalten, nach 1,85 Euro im Jahr zuvor. Meyer hatte schon Anfang 2025 den Rotstift angesetzt.

Rund 16'000 Stellen weniger

In der Brief- und Paketsparte in Deutschland fielen 8000 Stellen oder rund vier Prozent ​der gut 190.000 Arbeitsplätze weg. Das Ziel sei durch «natürliche Fluktuation» erreicht worden, hatte der DHL-Chef gesagt. Aber auch in anderen Regionen strich ​DHL Jobs. Der Konzern beschäftigte Ende 2025 noch knapp 584'000 Menschen - im Jahr zuvor waren es ​rund 601'000. Insgesamt sollen die Kosten konzernweit bis 2027 um mehr als eine Milliarde Euro gesenkt werden. Dabei kam der Logistikriese im vergangenen Jahr voran: «In Summe hat unser Kostenprogramm Fit for Growth im Jahr ‌2025 brutto über 600 Millionen Euro zum operativen Ergebnis beigetragen», sagte der DHL-Chef.

Die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump bremse «vor allem den Handel auf Routen in die USA, aber auch den US-Export», hatte Meyer schon im vergangenen Jahr beklagt. Der Zollkonflikt hinterliess auch in den Büchern der Bonner Spuren: Während das deutsche Brief- und Paketgeschäft wuchs, schrumpfte der Umsatz ​in der ​grössten Sparte Express. Im internationalen Frachtgeschäft brachen Umsatz und Gewinn ein. «Der globale Speditionsmarkt war ⁠im Jahr 2025 geprägt von anhaltenden geopolitischen Konflikten und zunehmender Unsicherheit in Bezug auf Zölle», hiess es.

Nun ​kommen noch die Folgen des Konflikts ⁠um Iran auf die Logistiker zu. Konkurrent Kühne+Nagel etwa rechnet durch den Konflikt in Nahost mit Verschiebungen im globalen Warenhandel. Bei der Luftfracht dürfte es zu Engpässen kommen, hatte ‌Kühne+Nagel-Chef Stefan Paul jüngst gesagt. «Wir sehen, dass etwa 18 Prozent der weltweiten Kapazität in der Luftfracht durch die jetzige Situation gegroundet ist.»

Auch Wettbewerber wie UPS oder FedEx drücken angesichts der Entwicklung auf die Kostenbremse und erhöhen - wo möglich - die Preise. UPS hatte erst Ende Januar den Abbau ‌von weiteren 30'000 Stellen angekündigt. Der US-Paketriese, der ebenfalls unter den Folgen der Zollpolitik Trumps leidet, hatte bereits 48'000 Jobs gestrichen ​und 93 Standorte geschlossen. Bei Kühne+Nagel sollen über 2000 Stellen wegfallen.

Meyer zeigte sich indes optimistisch, die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs bewältigen zu können: «So tragisch dieser militärische Konflikt ist, er schränkt unsere Zuversicht für 2026 nicht ein.» DHL verfüge in der Region bereits über ein eng geknüpftes Verteilnetz. Damit könne DHL Warenströme flexibel verteilen - und etwa Güter über die Strasse zu ‌Flughäfen bringen, die noch angeflogen werden können. Ein ​Beispiel sei der Flughafen im saudischen Riad. 

(Reuters)