«Die Gold-Unze wird unter 1000 Dollar fallen»

Goldanleger können fürs erste aufatmen. Der Preiszerfall beim Edelmetall ist ins Stocken geraten. Dennoch sehen die Charttechniker einer Schweizer Grossbank die Unze unter 1000 Dollar fallen.
07.10.2014 08:37
Von Lorenz Burkhalter
Nach dem geldpolitischen Kurswechsel der US-Notenbank hat das Gold einen schweren Stand.

Die gute Nachricht zuerst: Es ist den Baissiers fürs erste nicht gelungen, die Gold-Unze unter das Mehrjahrestief von Ende Juni vergangenen Jahres bei 1181 Dollar zu drücken. Die schlechte Nachricht: Noch ist es zu früh, um Entwarnung geben zu können.

Innerhalb von nur drei Monaten hat das Edelmetall gut 10 Prozent an Wert eingebüsst. Nur dank des gleichzeitig festen Dollars halten sich die Verluste aus Schweizer Sicht in Grenzen. In Franken rechnende Anleger haben nur ein Minus von 3,6 Prozent zu beklagen.

Geht es nach den Charttechnik-Experten der Credit Suisse, dann ist die Talfahrt beim Gold jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Sie wähnen die Unze in einer seit Mitte 2013 entstandenen Keil-Formation. Zwar habe das untere Ende bei 1191 Dollar einem ersten Angriff der Baissiers standgehalten, so ist in einem Kommentar nachzulesen. Mittelfristig rechnen diese allerdings noch einmal mit einem deutlich tieferen Unzenpreis. "Die Gold-Unze wird unter 1000 Dollar fallen", so sind sich die Experten sicher. Sie  sehen das Edelmetall nach einer kurzen Gegenbewegung sogar bis auf 938 Dollar je Unze fallen, was einem Rückschlagspotenzial von nicht weniger als 22 Prozent entspricht.

Geldpolitischer Kurswechsel der US-Notenbank belastet

Entwarnung geben die für die Schweizer Grossbank tätigen Experten erst dann, wenn die Gold-Unze zurück über 1297 Dollar findet. Knapp darunter verläuft das obere Ende der im Kommentar erwähnten Keil-Formation. In diesem Fall ist ein weiterer Vorstoss in die Region von 1345 Dollar zu erwarten. Dennoch lässt der Kommentar keine Zweifel daran, dass seine Verfasser mit einer Fortsetzung der Talfahrt rechnen.

Für eine solche spricht auch der schon vor Monaten eingeleitete geldpolitische Kurswechsel der US-Notenbank. Schon Ende Monat dürfte sich der Offenmarktausschuss zu einer weiteren Drosselung des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypothekarkredite von zuletzt noch 15 Milliarden Dollar im Monat durchringen. Vermutlich wird das Programm entweder schon an diesem Treffen, spätestens aber am darauffolgenden, eingestellt. Mit einer ersten Leitzinserhöhung ist spätestens ab Mitte nächsten Jahres zu rechnen.

Mit der sich abzeichnenden Reduktion der 4000 Milliarden Dollar schweren Bilanzsumme durch die US-Notenbank fällt ein gewichtiges Kaufargument für das Gold weg. Das Edelmetall gilt als Schutz vor einer ausufernden Teuerungsentwicklung. In einer solchen hätte die ultralockere Zins- und Geldpolitik vermutlich auch geendet. Nun geben die Währungshüter allerdings immer mehr Gegensteuer. Auch steigende Zinsen sind Gift für das Edelmetall, wirft es anders als andere Anlageklassen keinen Ertrag ab.