Neben den seit Kriegsbeginn ‌Ende Februar ⁠gestiegenen Benzinpreisen sorgen die ebenfalls anziehenden Renditen für US-Staatsanleihen einem Insider zufolge für Unruhe im Weissen Haus. Denn während steigende Ölpreise die Inflationserwartungen anheizen, bewirken steigende ⁠Kapitalmarktzinsen höhere Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher. Damit braut sich eine Wirtschaftslage zusammen, die für Trumps Republikaner bei den Kongresswahlen im November zur Belastung werden könnte.

«Die Märkte machen ihm ‌Kopfschmerzen, und er muss ein Rezept dagegen finden - und das ist nicht so einfach», sagt der Zinsstratege ‌Greg Faranello von AmeriVet Securities in New York. «Wir befinden uns bereits ​auf einem Niveau, das letztendlich auf die Hypothekenzinsen und den Immobilienmarkt übergreifen wird.»

Auslöser der Marktbewegungen ist der Ende Februar begonnene Krieg der USA und Israels gegen den Iran. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe kletterte in der Folge zeitweise auf 4,69 Prozent, den höchsten Stand seit Januar 2025, und lag zuletzt bei 4,56 Prozent. Trump hatte am Wochenende erklärt, Washington und Teheran machten Fortschritte bei einem Friedensabkommen, dämpfte aber kurz darauf die Hoffnungen auf ‌einen baldigen Durchbruch.

«Wenn sich die Regierung über höhere Kapitalmarktzinsen sorgt, dann kann sie versuchen, die Situation mit ruhigeren Worten zu deeskalieren», sagt Wirtschaftsstratege Shawn Snyder von Potomac Fund Management. Die Märkte reagierten sensibel auf Trumps Äusserungen zu einer Lösung des Konflikts.

Bezahlbarkeit ist ein Schlagwort in Washington

Ein anhaltender Anstieg der Kreditkosten könnte die Nachfrage nach ​Immobilien abkühlen, die Konsumausgaben dämpfen und die Wirtschaft im schlimmsten Fall in eine Rezession stürzen. Dies birgt Risiken ​für die Republikaner, die bei den Zwischenwahlen um ihre knappe Mehrheit im Kongress bangen. Zugleich ​diskutieren Vertreter der US-Notenbank (Fed) angesichts der Inflation über mögliche Zinserhöhungen, anstatt die von Trump geforderten Zinssenkungen vorzunehmen.

«Bezahlbarkeit ist ein Schlagwort in Washington, und das aus gutem Grund. Denn die Frage ‌der Bezahlbarkeit treibt viele Haushalte um, und diese hängt wesentlich von den Zinsen ab», erläutert John Kerschner, Leiter für verbriefte Anlageprodukte bei Janus Henderson.

US-Finanzminister Scott Bessent und das Weisse Haus stufen die hohen Renditen als vorübergehendes Phänomen ein, das durch den kriegsbedingten Energieschock getrieben sei. Präsidialamtssprecher Kush Desai erklärt, zur finanziellen Gesundung der ​USA konzentriere ​sich die Regierung auf Trumps «langfristige Agenda zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, zum Abbau ⁠von Bürokratie und zur Bekämpfung von Betrug bei den Staatsausgaben».

Anleihemarkt gilt ​als mächtiges politisches Korrektiv in Washington

Der Anleihemarkt gilt traditionell ​als mächtiges politisches Korrektiv in Washington. Verliert ⁠er das Vertrauen, gerät die Politik unter Druck. James Carville, ein Berater des früheren Präsidenten Bill Clinton, prägte in den 1990er Jahren im «Wall Street Journal» ‌das Bonmot, er wolle als Anleihemarkt wiedergeboren werden. Denn als solcher «kann man jeden einschüchtern».

Marktexperten warnen, dass die Möglichkeiten der Regierung begrenzt seien, selbst wenn die Renditen die Schmerzgrenze von fünf Prozent erreichen sollten. Ein zu aggressives Eingreifen berge die Gefahr, die Glaubwürdigkeit ‌bei der Inflationsbekämpfung zu untergraben.

Dem BNP-Paribas-Konjunkturstrategen Sam Lynton-Brown zufolge ist der Renditeanstieg weniger durch die Sorge vor einer ​höheren Staatsverschuldung getrieben als vielmehr durch hartnäckige Inflation, starkes Wirtschaftswachstum und hohe Energiepreise. Bislang hätten die Aktien- und Kreditmärkte die höheren Zinsen ohne Stresssymptome verkraftet: «Bisher kommen Aktien und Kredite mit diesen hohen Renditen gut zurecht.»

(Reuters)