Die Schweiz hilft, die tödlichen Spuren zu tilgen: Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Entminung der Ukraine. Der Bund investiert Millionen Franken in humanitäre Hilfe. Mehrere Schweizer Organisationen sind im überfallenen Land aktiv. Sie trainieren lokale Kräfte, helfen, internationale Standards zu verankern, räumen verminte Felder und sensibilisieren die Zivilbevölkerung für die Gefahren explosiver Munitionsreste.

Landminen feiern seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein lange Zeit nicht für möglich gehaltenes Comeback. Russland setzt sie in seinem Angriffskrieg grossflächig ein – Putins Regime hat die Ottawa-Konvention von 1997, die den Einsatz von Antipersonenminen verbietet, nie unterzeichnet. Auch andere Grossmächte wie die USA und China stehen ausserhalb des Abkommens – und seit dem russischen Überfall stellen selbst europäische Länder das Minenverbot infrage.

Nebst der Ukraine selbst haben Estland, Lettland, Litauen, Polen und Finnland angekündigt, künftig wieder Antipersonenminen einzusetzen. Von einem gigantischen Nato-Minengürtel entlang der Grenze mit Russland ist die Rede. Das zeigt den Wert solcher Konventionen: Alle sind gegen Minen, bis sie selbst bedroht sind.

Antipersonenminen sind besonders grausam

Dabei hat das Verbot von 1997 gute Gründe. Antipersonenminen gehören zu den grausamsten Waffen in einem Krieg. Sie sollen verletzen, nicht töten – um beim Feind Ressourcen für die Bergung zu binden. Zurück bleiben verstümmelte Soldaten.

In der Ukraine kämpfen sich Hunderte Soldaten in Rehabilitationszentren zurück ins Leben. In der westukrainischen Stadt Lwiw wurde eine hochmoderne Prothesen-Produktion hochgefahren. Tobias Privitelli, Direktor des Genfer Zentrums für Humanitäre Minenräumung (GICHD), hat die Fabrik Anfang Februar auf einer Ukrainereise besucht. «Wir haben mit verstümmelten Soldaten gesprochen und dabei den Schrecken dieses Kriegs gesehen», sagt Privitelli.

Das Genfer Zentrum wird von 18 Staaten, den Vereinten Nationen und einigen privaten Stiftungen getragen, die Schweiz finanziert die Hälfte des 20-Millionen-Budgets. Direktor Privitelli hat den Status eines Schweizer Botschafters. Das Zentrum unterstützt die Ukraine beim Aufbau professioneller Minenräumung, Privitelli sitzt im staatlichen Beratungsgremium.

Es sei wichtig, der Ukraine dabei zu helfen, die Minenräumung künftig selbst bewältigen zu können, sagt Privitelli, «da sich die internationalen Geldgeber und Organisationen immer mehr zurückziehen werden». Die USA unter Präsident Donald Trump und in ihrem Schatten wichtige europäische Staaten wie Deutschland, Frankreich und Grossbritannien haben ihr Engagement bereits stark zurückgefahren. Die eigene Aufrüstung hat gegenüber der humanitären Hilfe Priorität.

Blindgänger gefährden Bevölkerung

Die Schweiz hat ihr Engagement dagegen ausgebaut, sie ist heute Hauptunterstützerin der humanitären Minenräumung. Durch Russlands Angriffe sind rund 135’000 Quadratkilometer kontaminiert – mehr als dreimal die Fläche der Schweiz.

Problematisch sind nicht nur verminte Frontgebiete, sondern Blindgänger und Munitionsreste. 10 bis 20 Prozent der Artilleriegranaten explodieren nicht; mehrere Tausend täglich. Die Landwirtschaft leidet besonders, viele Felder sind unbestellbar. Für die ukrainische Wirtschaft ist das ein schwerer Schlag. Auch global sind die Folgen spürbar: Vor dem Krieg war die Ukraine einer der wichtigsten Agrarexporteure.

Bei der Räumung kontaminierter Landstriche hilft auch die Fondation suisse de déminage (FSD). Sie beschäftigt in der Ukraine bis zu 1000 lokale Mitarbeitende. Die Schweiz finanziert den Einsatz bis 2027 mit 10 Millionen Franken jährlich.