Ein mögliches US-Einfuhrverbot für chinesische optische Transceiver-Module würde US-Hyperscaler schwer treffen. Das Marktforschungsunternehmen Counterpoint warnt, dass dies Engpässe verschärfen würde, die kein amerikanisches Unternehmen kurzfristig ausgleichen kann.
Das geplante Verbot würde den Aufbau von Hunderten Milliarden Dollar teurer KI-Infrastruktur in den USA stören. Die Tech-Giganten wie Amazon und Microsoft müssten mit noch höheren Kosten rechnen, wenn chinesische Lieferanten wegfallen. Das würde laut Counterpoint-Analyst Neil Shah dazu führen, dass teure und leistungsstarke KI-Beschleuniger weniger effizient genutzt werden können.
«Die Vorstellung, dass man den Markt für optische Transceiver einfach geografisch aufteilen kann, blendet die Realität des Hardware-Ökosystems aus», erklärte Shah. «Das globale KI-Ökosystem ist weiterhin stark auf chinesische Anbieter angewiesen, um die nötigen Mengen zu liefern.»
Schweizer und europäische Perspektive
Erste Berichte über die Handelsbeschränkungen lösten Kurseinbrüche bei chinesischen Anbietern aus: Die Aktie von Zhongji Innolight fiel um bis zu 14 Prozent. Die Titel von europäischen und Schweizer Unternehmen legten dagen zu - Nokia zog in Helsinki um fast 6,5 Prozent an, Huber+Suhner in Zürich um knapp 3,5 Prozent auf 197,40 Franken.
Laut Counterpoint stellen chinesische Unternehmen wie Zhongji Innolight und Eoptolink knapp zwei Drittel des weltweiten Liefervolumens an optischen Transceivern. In der Schweiz und Europa gibt es fast keine direkten Alternativen zu den chinesischen Transceiver-Herstellern - sowohl auf Produktebene als auch beim Volumen.
Huber+Suhner etwa ist im Bereich passiver Glasfaserinfrastruktur (Kabel, Steckverbinder) tätig, stellt aber keine aktiven optischen Transceiver her. Damit kann das Unternehmen zwar nicht als direkter Ausweichlieferant betrachtet werden, doch profitiert Huber+Suhner dennoch im Allgemeinen von dem Ausbau der KI-Infrastruktur und Investitionen in Hyperscaler.
Von Analystenseite zeigt sich ein unverändert positives Bild: Von vier Expertinnen und Experten raten drei zum Kauf der Huber+Suhner-Titel. Bis 2028 rechnen sie mit einem Umsatzwachstum von über 50 Prozent. Der Gewinn pro Aktie dürfte sich dagegen mehr als verdoppeln, getragen von einem hohen Margenanstieg.
Nokia ist wiederum der einzige relevante europäische Systemanbieter, der als Alternative zu den chinesischen Lieferanten infrage kommt. Durch die Übernahme von Infinera besitzt der Konzern zwar optische Netzwerktechnologie für Hyperscaler, ist aber primär Ausrüster komplexer Netze und kein Massenlieferant einzelner Transceiver-Module.
Die direkten Profiteure auf Modulebene sitzen in den USA. So sind die Aktien von Rivalen wie Applied Optoelectronics um fast 20 Prozent, jene von Coherent um 12,4 Prozent in die Höhe geschossen.
(Mit Material von Bloomberg)

