Die Aktien des Aromen- und Duftstoffhersteller Givaudan haben einen ausgezeichneten Lauf. Seit dem Tiefpunkt im März haben die Wertpapiere um 58 Prozent an Wert gewonnen und stehen auf Jahressicht 31 Prozent im Plus.

Mit dieser Jahresperformance belegt Givaudan den zweiten Platz im Swiss Market Index - einzig vom Chemie- und Pharmaunternehmen Lonza muss sich der Aromen- und Dufthersteller aus dem Kanton Genf geschlagen geben.

Performance der SMI-Titel seit Jahresbeginn (Quelle: Bloomberg).

Doch die Outperformance gegenüber den meisten Aktien des Swiss Market Index hat schon eine längere Geschichte. Im Jahr 2017 hat der jüngere Erfolgslauf seinen Anfang. Wie in der unteren Grafik ersichtlich, hat seitdem der Aktienkurssteigerung eine beschleunigte Entwicklung erfahren - wer 2017 zukaufte, hat sein Investment aktuell mehr als verdoppelt. Der Corona-Einbruch vom März erscheint aus dieser Langfristperspektive schon fast als Fussnote der Geschichte.

Performance der Givaudan-Aktien seit 2017 (Quelle: cash.ch).

Givaudan will wachsen

Gestützt wird die aktuelle Kursentwicklung durch die jüngsten Givaudan-Finanzziele bis 2025 von Ende August. Dabei wird vom Branchenprimus ein durchschnittliches organisches Wachstum von 4 bis 5 Prozent angepeilt. Besonders in den wachstumsstarken Märkten - speziell in China – soll die führende Position ausgebaut werden.

Im Kerngeschäft Aromen und Riechstoffe besitzt das Unternehmen mit einem Anteil von 25 Prozent eine klare Marktführerschaft. Daher wagt sich Givaudan zunehmend in andere verwandte Geschäftsfelder vor: Insbesondere im Ingredients-Universum (zum Beispiel Wirkstoffe für Hautcrèmes) ist noch Wachstumspotenzial vorhanden.

Dass diese Ziele erreicht werden können, daran werden wohl nur wenige zweifeln. Hat der Konzern doch einen sehr guten Erfolgsausweis in dieser Angelegenheit. Die Ausführung von detaillierten Plänen ist eine der grossen Stärken von Givaudan.

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis wie ein Tech-Titel

Die Aktienperformance und der Unternehmens-Ausblick erfreuen viele Anleger. Insbesondere Bill Gates, der 2011 einstieg und eine Beteiligung von rund 14 Prozent aufgebaut hat. Doch erscheint dieses hohe Kurs- und Bewertungsniveau nicht allen Verantwortlichen geheuer zu sein – in den letzten Tagen trennten sich einige Führungspersonen von Aktien im Wert von gut 2,8 Millionen Franken.

Und die von Bloomberg befragten Analysten zeigen sich nicht durchs Band überzeugt von der hohen Bewertung. Neun "Buys" stehen zehn "Holds" und sechs "Sells" gegenüber. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten rangiert bei 3522 Franken – das ist ein Korrekturpotenzial von mehr als 10 Prozent zum aktuellen Preis.

Das gegenwärtige Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bewegt sich zudem in sehr hohen Gefilden. Mit 50 hat Givaudan ein höheres KGV als jedes andere Mitglied im Swiss Market Index. Dieses entspricht eher einem Wert, der normalerweise bei Tech-Werten vorzutreffen ist. Doch selbst bei diesen finden Anleger tiefere Bewertungen - der Technologieriese Microsoft hat beispielsweise ein KGV von 35. 

Defensiver Wert

Trotzdem: Anleger sollten wegen des hohen Kurs- und Bewertungsniveaus nicht gleich in Panik verfallen. Givaudan verfügt über defensive Qualitäten. So gehen die Analysten von der ZKB davon aus, dass die Givaudan-Aktien bei einer grösseren Marktkorrektur besser als der Gesamtmarkt abschneiden würden.

So musste sich der Dufthersteller mit seiner Performance von minus 26 Prozent in der Corona-Marktkorrektur zwischen dem Höhepunkt im Februar und dem Tief im März nicht von den Schwergewichten Roche (-24 Prozent) Novartis (-32 Prozent) und Nestle (-23 Prozent) verstecken. Und in der Markterholung seither lässt der Dufthersteller die drei Giganten des SMI locker hinter sich. Givaudan scheint einfach eine paradoxe Mischung zu sein: Eine wachstumsstarker Defensivwert.

ManuelBoeck
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