Es dauert noch eine Weile, bis 2028 in den USA die Wahl des Nachfolgers von Präsident Donald Trump ansteht. Er selbst darf nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten, weshalb die Republikaner einen neuen Kandidaten aufstellen müssen.

Im Gespräch sind derzeit Vizepräsident JD Vance und Aussenminister Marco Rubio. Bei den Demokraten gibt es noch keinen klaren ‌Favoriten - und ⁠richtig anlaufen wird das parteiinterne Rennen um die Kandidatur auch erst nach den Zwischenwahlen in diesem November, bei denen der Präsident selbst nicht zur Wahl steht. Trotzdem bringen sich schon jetzt erste potenzielle Bewerber und ⁠Bewerberinnen in Stellung und loten ihre Chancen aus.

Es folgen einige Namen, um die sich bereits verstärkt Spekulationen ranken, dass sie für die Partei der früheren Präsidenten Joe Biden, Barack Obama und Bill Clinton in den Kampf um das Weisse Haus ‌einsteigen könnten - alphabetisch sortiert nach Kategorie:

KAMALA HARRIS - DIE EHEMALIGE KANDIDATIN

Die Ex-Vizepräsidentin gehört zu den bekanntesten Vertreterinnen ihrer Partei. Bei der Wahl 2024 scheiterte sie gegen ‌Trump, nachdem sie allerdings erst spät für Biden als Spitzenkandidatin eingesprungen war. Seitdem hat die 61-Jährige immer ​wieder selbst Spekulationen geschürt, dass sie es noch einmal versuchen könnte. «Vielleicht, vielleicht. Ich denke darüber nach», sagte sie erst kürzlich. Insgesamt wäre es ihr dritter Anlauf auf das Weisse Haus, nachdem sie sich bereits 2020 bei den parteiinternen Vorwahlen vergeblich um die Kandidatur bemüht hatte.

ANDY BESHEAR

Der 48-Jährige ist Gouverneur von Kentucky - und das schon in der zweiten Amtszeit, obwohl der Bundesstaat ansonsten überwiegend von republikanischen Politikern dominiert wird. Bei der Präsidentschaftswahl 2024 setzte sich Trump hier mit einem Vorsprung von mehr als 30 Prozentpunkten gegen Harris durch. Seit diesem Jahr ist Beshear Vorsitzender der Vereinigung demokratischer Gouverneure, was dem ausserhalb von Kentucky bislang wenig bekannten ‌Politiker eine landesweite Plattform bietet. In einem Interview auf eine mögliche Kandidatur angesprochen, erklärte er, bei dem Gedanken fühle er sich wohl.

GAVIN NEWSOM

Der Gouverneur von Kalifornien wird seit längerem als Kandidat gehandelt. Nach zwei Amtszeiten darf er im Herbst nicht erneut für den Posten kandidieren, womit er frei wäre für andere Aufgaben. Der 58-Jährige gehört zu den prominentesten Gesichtern seiner Partei. In den vergangenen Monaten profilierte er sich als einer der ​schärfsten Kritiker Trumps, so auch im Februar auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Nach den Zwischenwahlen will er sich ernsthaft mit der Frage befassen, ob er 2028 antritt.

J.B. ​PRITZKER

Der Gouverneur von Illinois will sich nach eigenen Angaben auf seine Wiederwahl im Herbst konzentrieren. Gleichzeitig hat er aber nicht ​ausgeschlossen, später als Präsidentschaftskandidat zur Verfügung zu stehen. In jedem Fall wolle er sich mit Blick auf 2028 mehr denn je engagieren, da die Demokraten auf keinen Fall verlieren dürften. Landesweit fiel der 61-Jährige zuletzt mit deutlicher Kritik an Trumps hartem Kurs gegen Einwanderer ‌auf. Pritzker ist Erbe des Hyatt-Hotelimperiums. Als Milliardär ist er weniger abhängig von Wahlspenden, allerdings könnte er sich auch mit Vorwürfen konfrontiert sehen, keinen Bezug zu den wirtschaftlichen Sorgen vieler Amerikaner zu haben.

JOSH SHAPIRO

Als Gouverneur von Pennsylvania regiert der 52-Jährige einen Bundesstaat, der bei Präsidentschaftswahlen zu den entscheidenden Swing States zählt - mal setzen sich dort die Demokraten durch, dann wieder die Republikaner. 2024 gewann hier Trump. An der grossen Beliebtheit Shapiros änderte ​das jedoch nichts. ​Im Herbst strebt er seine Wiederwahl an. Danach will er «Teil der Debatte» sein, in welche Richtung ⁠die USA gehen. Allerdings gilt Shapiro, der jüdischen Glaubens ist, als pro-israelischer Demokrat. Das könnte für ihn zum Problem werden, denn in ​der Partei wächst die Kritik an Israel ⁠wegen der Kriege im Gazastreifen und im Iran.

MARK KELLY

Der frühere Astronaut und Marinepilot vertritt als Senator im Kongress Arizona, einen der wichtigen Swing States, die bei Präsidentschaftswahlen oft das Zünglein an der Waage sind. Der 62-Jährige hat nicht ausgeschlossen, sich um die Kandidatur zu bewerben. Bei Wahlspendern kommt er gut an. Allerdings gilt er als Vertreter der konservativeren Parteifraktion, womit er bei vielen Anhängern der Demokraten, ‌die eher zum progressiveren Flügel tendieren, auf Widerstand stossen könnte.

ALEXANDRIA OCASIO-CORTEZ

Die Kongressabgeordnete aus New York ist eine der bekanntesten Vertreterinnen des linken Parteiflügels. Sie bezeichnet sich ​selbst als demokratische Sozialistin und ist eine enge Mitstreiterin von US-Senator Bernie Sanders, einem Urgestein linker Politik in den USA. Die 36-Jährige trifft mit ihrem vehementen Eintreten für mehr soziale Gerechtigkeit den Nerv vieler Anhänger der Demokraten. Zu ihren öffentlichen Auftritten kommen regelmässig grosse Menschenmengen, die sie begeistert unter ihren Initialen «AOC» feiern. Eine Präsidentschaftskandidatur hat sie nicht ausgeschlossen. «Mein Ziel ist es, dieses Land zu verändern», sagte sie kürzlich, als sie auf ihre Ambitionen angesprochen wurde. In der ‌Partei wird jedoch bezweifelt, ob sie mit ihrer Haltung auch ​eine Mehrheit der Amerikaner überzeugen kann.

(Reuters)