Digitale Anlagen - Der Internethändler Overstock gibt eine digitale Dividende heraus

Overstock ist auf einem Höhenflug. Doch hinter den Kulissen rumort es. Der Online-Händler ist in einen Streit mit der Wall Street verwickelt.
24.05.2020 07:02
Das Logo des Online-Händlers Overstock auf einem Smartphone.
Das Logo des Online-Händlers Overstock auf einem Smartphone.
Bild: imago images / ZUMA Press

Grund für den Streit: Der Internethändler lanciert eine digitale Dividende. Dabei will Overstock kontrollieren, wo die digitalen Wertpapiere gehandelt werden. Die Investoren sollen nicht kaufen und verkaufen, wo immer sie wollen. So sandte das Unternehmen Anfang dieses Monats einen Brief an eine Reihe von Finanzunternehmen. In diesem wurden diese daran erinnert, dass der gesamte Handel mit den digitalen Dividenden auf der Handelsplattform namens tZERO stattfinden soll. Diese besitzt Overstock selbst.

Overstock versucht schon länger, das Geschäft von tZERO anzukurbeln, indem der Handel der digitalen Dividenden auf die Plattform beschränkt wird. Die digitale Dividende habe dabei das Potenzial, Zehntausende neuer Investoren auf die Handelsplattform zu bringen, auf welcher mit digitalen Token gehandelt wird.

Werden andere Unternehmen nachziehen?

Wenn sich der Dividendenplan von Overstock als erfolgreich erweist, könnten die Auswirkungen auf die US-Märkte erheblich sein. Immer mehr Unternehmen werden sich möglicherweise für digitale Anlagen entscheiden oder fügen Beschränkungen für ihre Aktien hinzu. Insbesondere wenn sie feststellen, dass sie dadurch mehr Einfluss auf ihre Anleger haben. An der Wall Street lehnen Maklerfirmen und Börsen die Einführung von digitalen Wertpapieren ab. Diese könnten die Handels- und Kotierungsgebühren aller bisher Beteiligten senken.

Die Frage, ob ein Unternehmen bestimmen kann, wo Anleger ihre Aktien verkaufen dürfen, hat zudem die Aufmerksamkeit der US-amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde SEC auf sich gezogen. Während die Aufsichtsbehörde nach einer umfassenden Überprüfung die Dividende von Overstock genehmigt hat, ist sie sich des Streits um tZERO bewusst und könnte sich noch einmischen.

400 Prozent Kurssprung

Der Dividendenstreit mit der Wall Street findet inmitten einer Trendwende für das Unternehmen statt. Dieses profitiert stark davon, dass die Konsumenten von ihren Sofas aus einkaufen müssen. Die Aktien sind seit Mitte März als Folge um mehr als 400 Prozent gestiegen, was das Unternehmen zu einem der Top-Performer an den US-Börsen macht. Die Rallye folgt einem Rückgang von 48 Prozent im letzten Jahr und einem Einbruch von 79 Prozent im Jahr 2018.

Die Aktien von Overstock gingen am Montag in New York um 11 Prozent auf 15,19 USD zurück. Dies ist der größte tägliche Rückgang seit dem 22. April. Die Beschwerden von Brokern und Börsen über die digitale Dividende sind weitreichend. Sie sagen, dass die Beschränkung des Handels auf einen Ort die Liquidität beeinträchtigen wird. Es wird für Anleger schwieriger und teurer, ihre Anlagen zu verkaufen. 

Die Dividende von Overstock hat bereits ein Handelssymbol, OSTKO. Vor der offiziellen Emission gab es einige Käufe und Verkäufe, aber diese Transaktionen werden erst nach Ausgabe der Aktien abgewickelt.

(Bloomberg)