Digitale Währung - Warum der Litecoin die Kryptowährung der Stunde ist

Im Schatten des Bitcoin erlebt die wenig bekannte Kryptowährung Litecoin seit Jahresbeginn eine wahre Rally. Ein Einstieg könnte sich noch immer lohnen.
14.06.2019 14:18
Von Henning Hölder
Kryptowährungen: Zuletzt gewann der Litecoin an Gewicht.
Kryptowährungen: Zuletzt gewann der Litecoin an Gewicht.
Bild: Pixabay

Die diesjährige Performance des Litecoin lässt sich sehen: Ganze 330 Prozent Wertzuwachs seit Anfang Jahr. Damit stellt die Kryptowährung ihre berühmten Geschwister Bitcoin (+120 Prozent) und Ether (+100 Prozent) in den Schatten. Mittlerweile kommt Litecoin auf eine Marktkapitalisierung von rund 8,4 Milliarden Dollar, wie Bloomberg mit Berufung auf Mosaic Research berichtet. Damit steht sie auf Platz sieben der grössten digitalen Assets.

Für den kontinuierlichen Anstieg des Litecoins gibt es zwei Gründe. Erstens findet Anfang August der nächste «Halving»-Termin statt. Halving ist vereinfacht gesagt eine Verknappung des (Coin-)Angebots. Dadurch soll die Coinmenge einschränkt und einen Wertzerfall der Kryptowährung verhindert werden.

Kursentwicklung des Litecoin seit Jahresbeginn, Quelle: cash.ch

Solche Halvings werden typischerweise alle vier Jahre durchgeführt. Und typischerweise steigen dann auch die Kurse der jeweiligen Tokens. Als vor vier Jahren der Litecoin zuletzt einem Halving unterzogen wurde, stieg dessen Wert in den drei Monaten davor um satte 60 Prozent. Auch die derzeitige Hausse der führenden Kryptowährung Bitcoin dürfte – zumindest zum Teil – mit dem bevorstehenden Bitcoin-Halving im Mai 2020 zusammenhängen.

«Jedes Mal, wenn bei Litecoin oder bei Bitcoin ein Halving bevorsteht, nimmt der Preisanstieg astronomische Züge an», sagte Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Trading Platform eToro gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Renaissance der Kryptowährungen

Der zweite Grund, warum der Litecoin derzeit durch die Decke geht, ist die zunehmend Akzeptanz von Kryptowährungen – auch von Institutionen, die nicht zum Kreis der hippen Startups aus dem Silicon Valley gehören. Beim US-amerikanischen Telekommunikationskonzern AT&T können Kunden ihre Rechnungen seit dem letzten Mai mit digitalen Währungen zahlen. Zudem wird Facebook bald Details über Pläne einer eigenen Kryptowährung bekanntgeben.

 

 

«Die derzeitige Krypto-Rally ist gerechtfertigt und beruht auf Fakten», sagt Daiv Tawil, Präsident des Krypto Hedgefonds ProChain Capital gegenüber Bloomberg. Er glaube sogar, dass das bevorstehende Halving den Litecoin auf frühere Höchststände bringen kann. Will heissen: Die Rally ist also kein Hype, sondern hat ein solides Fundament.

Bei aller Euporie über die derzeitige Renaissance der Kryptowährungen gerät jedoch eines in Vergessenheit: Laut der Blockchain-Analysefirma Chainalysis gingen lediglich 1,3 Prozent der Transaktionen der grössten Kryptowährung Bitcoin auf Zahlungen im Einzelhandel zurück. 90 Prozent sind Exchange-Volumen. Heisst: Bitcoin ist kein Zahlungsmittel, sondern (noch) ein reines Spekulationsobjekt.

Noch bieten sich Einstiegsmöglichkeiten

Ob das schlimm ist, kommt auf die jeweiligen Erwartungen an, die man an Kryptowährungen knüpft. Wer davon träumt, morgen sein Gipfeli im Coop mit Bitcoin oder Litecoin zu bezahlen, dürfte noch einige Zeit enttäuscht werden. Wer Kryptowährungen allerdings als Anlagemöglichkeit interpretiert, dem könnten sich jetzt noch Einstiegsmöglichkeiten bieten.

Das Halving von Litecoin wird am 6. August stattfinden. Bis dahin kann die Rally durchaus noch weitergehen. «Wir sehen in dem Litecoin derzeit eine gute Anlagemöglichkeit», hält Daiv Tawil fest.

Allerdings sollte man stets im Kopf behalten: Kryptowährungen sind regelmässig starken Schwankungen unterworfen. Der beispiellose Absturz nach dem Peak Ende 2017 hat dies gezeigt. Daher bieten sich solche Anlageformen nur für Risikofreudige an.

Kursentwicklung des Bitcoin in den letzten zwei Jahren, Quelle: cash.ch