Digitalisierung - Wie Asset Manager die Robo-Advisor zu nutzen beginnen

Die digitalen Vermögensverwalter stehen im Asset Management erst am Anfang. Das weitere Wachstum hängt auch davon ab, wie sich die Rendite im Vergleich zu den traditionellen Vermögensverwaltern entwickelt.
23.06.2019 18:58
Von Kurt Speck
Beim Robo-Advisor steuern Algorithmen den Anlageprozess.
Beim Robo-Advisor steuern Algorithmen den Anlageprozess.
Bild: Pixabay

Digitalen Vermögensverwaltern wird schon seit einigen Jahren eine glänzende Zukunft vorausgesagt. Doch jüngere Studien zu den Robo-Advisor kommen zu eher ernüchternden Ergebnissen. Die erste Euphorie bröckelt.

Für die neuen Marktteilnehmer ist es gar nicht so einfach, die etablierten Anbieter im Asset Management in Bedrängnis zu bringen. Dabei tönt es vielversprechend, wenn künftig die Anlagetipps von einem intelligenten, künstlich erschaffenen Roboter statt einem Berater aus Fleisch und Blut kommen.

Klar ist: Die Robo-Advisor sind in der Finanzwelt auf dem Vormarsch, in gemächlichem Tempo allerdings. Schlagzeilen wie "Menschliche Anlageberater kommen aus der Mode" wirken jedenfalls reichlich voreilig.

Algorithmen erstellen Musterportfolio

Entscheidend für Robo-Advisor ist die richtige Software. Die Dienstleistungen eines Finanzberaters werden digitalisiert und automatisiert. In den meisten Fällen stützt sich die Anlagestrategie eines Robo-Advisors auf regelbasierte Modelle zur Bestimmung der Portfoliostruktur, die entsprechend überwacht und wenn notwendig angepasst wird. Das Onlineangebot umfasst nur limitierte Empfehlungen.

Für den interessierten Anleger steht meist ein Fragebogen am Anfang, der Aufschluss über die Investitionsbedürfnisse und die Risikobereitschaft des Kunden geben soll. Mit diesen Informationen entwickelt der Robo-Advisor auf Basis von Algorithmen ein Musterportfolio, das sich in der Regel aus verschiedenen Exchange Traded Funds (ETFs) zusammensetzt.

Banken sind interessiert

Über die vergangenen Jahre hinweg haben sich speziell Swissquote, True Wealth und Saxo Select als eigenständige Robo-Advisor etabliert. Kleinere Banken sind Kooperationen eingegangen, wie etwa die Basellandschaftliche Kantonalbank mit True Wealth oder die Glarner Kantonalbank mit der eigenen Lösung Investomat.

Die Grossbank UBS hat ein Pilotprojekt mit dem Robo-Advisor in Grossbritannien gestartet, es mittlerweile aber bereits wieder eingestellt. Offensichtlich will man das traditionelle Geschäft mit einer vermögenden Kundschaft nicht via digitale Vermögensverwalter bis zum Endkunden kannibalisieren.

Demgegenüber schalten sich auch Versicherer in das Geschäft mit Robo-Advisor ein. Die Allianz-Suisse-Tochtergesellschaft Elvia hat vor zwei Jahren mit Unterstützung der Fintech-Firma Additiv die elektronische Plattform e-invest lanciert. Nebst dem Onlineangebot etwa für Auto-, Reise oder Hausratversicherungen bietet Elvia damit auch die digitale Vermögensverwaltung an.

Hybrid: Robos nur zur Unterstützung

In der Finanzbranche werden aber vor allem neue Ansätze forciert, bei denen die Finanzberater immer noch eine wesentliche Rolle spielen. Die Bank Vontobel hat erst kürzlich einen selbst entwickelten Robo-Advisor in Form einer Smartphone-App vorgestellt. Bei dieser nicht vollautomatisierten Variante kann der Berater rund 450'000 Anlageinstrumente auf die Eignung für den Kunden überprüfen und die Auswirkung auf das Risikoprofil berechnen.

Weil das Wachstumspotenzial für reine Robo-Advisor im Asset Management derzeit begrenzt ist, zeigt sich ein Trend hin zu hybriden Beratungsmodellen. Dabei werden die Robo-Advisor den Kundenberatern in der Bank unterstützend zur Seite gestellt. Vorgemacht haben es grosse US-Banken wie Morgan Stanley und Bank of America oder der globale Vermögensverwalter Blackrock.

Die Ausrichtung auf solche Modelle hilft nicht nur Kosten sparen, sondern entspricht auch einem Bedürfnis der Anleger. In einer Demoscope-Umfrage erachten rund zwei Drittel der befragten Investoren den Zugang zu professionellen Einschätzungen als wichtig. Ohnehin sollten Anleger ein gewisses Grundwissen in Finanzfragen mitbringen, wenn sie Robo-Advisor nutzen. Nur versierte Investoren können die Vorschläge wirklich richtig einschätzen. Generell gilt: Je länger die Anlagedauer und je höher die Risikobereitschaft, umso höher fällt der Anteil an Aktien in einem Portfolio aus.

Tippgeber und Full Service

Nebst den hybriden Modellen, die auch den Fintech-Firmen neue Möglichkeiten im Business-to-Business-Geschäft bieten, haben sich vor allem zwei Lösungsansätze im Bereich Robo-Advisor durchgesetzt. Zum einen gibt es die reinen Tippgeber. Bei dieser meist kostenlosen Variante kann der Anleger anhand des vorgeschlagenen Portfolios selber investieren.

Wesentlich interessanter für den Investor ist aber ein Full Service. Dieser digitale Vermögensverwalter macht Anlagevorschläge, vermittelt den gewählten Mix zwischen Obligationen, Aktien und Bargeld, um das gesamte Depot danach im eigenen Haus oder bei einer Partnerbank eigenständig zu verwalten. Dazu gehört in regelmässigen Abständen das aktive Umschichten innerhalb der festgelegten Bandbreiten für jede Anlagekategorie. Im Idealfall wirken Robo-Advisor langfristig wie Seismografen, die sämtliche Regungen von Märkten und Investoren aufnehmen und die Portfolios entsprechend neu ausrichten.

Noch kein Performance-Vergleich

Experten sind sich einig, dass letztlich nur aktive Robo-Advisor dem Anleger einen Zusatznutzen bringen. Vorderhand gibt es wegen der kurzen Beobachtungsperiode für die Robo-Advisor noch kaum Vergleichswerte zu traditionellen Vermögensverwaltern. Auch die Bewährungsprobe, etwa im Fall eines massiven Kurseinbruches an den Börsen, steht noch bevor. 

Im Idealfall wird die Rendite bei Robo-Advisor durch niedrige Kosten positiv beeinflusst. Die Gebühren sollten deutlich tiefer liegen als bei Banken, Versicherern oder traditionellen Vermögensverwaltern. Letztlich setzt der Anleger auf eine diskretionäre Vermögensverwaltung, für die er möglichst wenig bezahlen will. Bei den gängigen Robo-Advisor liegen die Servicekosten zwischen 0,4 und 0,75 Prozent. Darin eingeschlossen sind in der Regel sämtliche Transaktionskosten. Meist sind diese Gebühren auch abhängig vom Investitionsvolumen.

Die Eintrittsschwelle startet für die Kunden häufig bei rund 10'000 Franken. Je höher die eingesetzten finanziellen Mittel sind, umso niedriger ist der Tarif. Dazu kommen die Produktionskosten des ETF, welche je nach gewählter Strategie zwischen 0,15 und 0,5 Prozent liegen. Zum Vergleich: Bei einem klassischen Vermögensverwalter erreichen die Gebühren bis zu 2 Prozent der Anlagesumme. Bei den spezialisierten Robo-Advisor wurde das Geschäft in der Anfangsphase vor allem auf Privatanleger ausgerichtet. Nun wird auch das Segment der institutionellen Investoren, wie etwa Pensionskassen, ins Visier genommen. Dabei gelten jedoch andere regulatorische Vorgaben. 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der «Schweizer Versicherungen» unter dem Titel «Smarte Robo-Advisor»

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