Europäische Versicherungsaktien blicken über die letzten fünf Jahre gemessen am Stoxx 600 Insurance Index auf rekordverdächtige Gesamtrenditen - sprich Kursgewinne plus Dividendenzahlungen - von 16,3 Prozent zurück. Diese überdurchschnittliche Performance gelang nicht zuletzt dank stark steigender Prämieneinnahmen.
Für 2026 zeichnet sich eine Normalisierung beim Prämienwachstum sowie bei der für die Versicherungsbranche wichtigen Kennzahl Schaden-Kosten-Quote ab. Das heisst, die absoluten Rekordmargen schwächen sich leicht ab. Dennoch dürften die Margen nicht gross tangiert werden, da die europäischen Versicherer gemäss den Experten von Goldman Sachs mit den steigenden Zinsen höhere Portfolioerträge erzielen dürften. Diese zusätzlichen Zinserträge halten die Eigenkapitalrenditen auf attraktiven Niveaus. Zudem gehören die europäischen Versicherungsaktien zu den Titeln mit den höchsten Ausschüttungen und werfen eine durchschnittliche Dividendenrendite von 5,8 Prozent ab.
Die zehn Titel in der Übersicht, welche von vielen Analysten mit den Anlageempfehlungen «Kaufen» oder «Halten» eingestuft werden:
Allianz
Die Allianz ist einer der weltweit grössten Finanzdienstleister. Der Münchner Konzern ist ein Allspartenversicherer, der einen global integrierten Vermögensverwalter hat. Im Schaden- und Unfallgeschäft gehört die Allianz operativ zu den Top-Adressen. Selbst in Jahren mit extremen Naturkatastrophen oder hoher Inflation gelang der Allianz ein präzises Underwriting, das zu einer tiefen Schaden-Kosten-Quote führte. Die Dividendenrendite steht bei 4,6 Prozent.
Aviva
Der Assekuranzkonzern Aviva ist einer der grössten Versicherer in Grossbritannien, der zudem über einen namhaften Ableger in Kanada tätig ist. Im reinen Versicherungsgeschäft erzielt das Unternehmen eine hohe Profitabilität, die zu den Spitzenwerten in Europa gehört. In den letzten Jahren konnten die Schulden gesenkt werden, da sich das Unternehmen vom Geschäft in Frankreich, Italien, Polen und Singapur getrennt hatte. Die Dividendenrendite beläuft sich auf 6,2 Prozent.
AXA
Die Versicherung AXA ist ein globaler Leader, der zur Steigerung der Profitabilität in den vergangenen Jahren das klassische Lebensversicherungsgeschäft mit den hohen Zinsgarantien zurückgefahren hatte. Der operative Fokus liegt nun ganz auf dem Sach-, Unfall- und Krankenversicherungsgeschäft, da dort weniger Eigenkapital gebunden und somit eine höhere Eigenkapitalrendite erzielt werden kann. Dank der Grösse konnte der französische Assekuranzkonzern seine starke Preissetzungsmacht ausbauen. Die Dividendenrendite beträgt 5,9 Prozent.
Generali
Die Firma Generali ist einer der ältesten europäischen Allroundversicherer und überzeugt mit ihrer historisch verankerten Position im Privatkunden- und KMU-Geschäft in den Kernmärkten Italien, Deutschland und Frankreich. Zu den grössten Stärken von Generali gehört das Vertriebsnetz, das eine bessere Risikoselektion mit einer überdurchschnittlich tiefen Schaden-Kosten-Quote zulässt. Die Dividendenrendite steht bei 4,2 Prozent.
Hannover Re
Im Vergleich zur Konkurrenz hat Hannover Re eine sehr schlanke Unternehmensstruktur aufgrund der Fokussierung auf die Rückversicherungsdienstleistungen bei Schaden- und Unfallversicherungen. Das führt zu einer niedrigsten Kostenquote in der gesamten Branche. Dank dieses Kostenvorteils hat der Rückversicherungskonzern aus Hannover auch in einem Jahr mit höheren Schadenskosten einen finanziellen Puffer, um die Ausschüttungen hochzuhalten. Die Rendite beträgt 4,2 Prozent.
Sampo Oyi
Der finnische Versicherungskonzern Sampo Oyi ist der Marktführer in Skandinavien. Das Unternehmen hat eine der beständigsten Schaden-Kosten-Quoten in der europäischen Versicherungsbranche und ist bekannt für sein diszipliniertes Management bei der Preisgestaltung von Versicherungsverträgen. Zudem profitiert Sampo von der hohen Digitalisierung in Skandinavien, da diese Automatisierung zu einer tiefen Kostenquote führt. Die Dividendenrendite beläuft sich auf 4,1 Prozent.
Scor
Der französische Rückversicherungskonzern Scor hat in den vergangenen Jahren die operative Ertragskraft im Sach- und Unfall-Rückversicherungsgeschäft gestärkt und in umkämpften Märkten wie Nordamerika das Risiko bewusst zurückgefahren. Qualität geht vor Volumen. Die Dividendenrendite steht bei 5,9 Prozent. Investor Martin Ebner war viele Jahre der grösste Einzelaktionär von Scor.
Swiss Life
Swiss Life ist Schweizer Marktführer für Lebensversicherungen und Altersvorsorge. Die Firma ist im Kern ein Lebensversicherungs- und Vorsorgekonzern und unterscheidet sich im operativen Profil von den reinen Schadensversicherern. Entsprechend stehen nicht das Schaden-Kosten-Verhältnis, sondern die Gebühreneinnahmen im Fokus. Daher präsentiert sich Swiss Life dank der Dienstleistungserträge ertragsstark. Die Dividendenrendite beträgt 4,3 Prozent.
Swiss Re
Der Rückversicherungskonzern Swiss Re ist global tätig und gilt als Pionier bei der Digitalisierung und der Modellierung von Risiken. Das ist die Basis für eine stabile Schadensquote. Die Gewinnziele von Ende 2025 waren den Investoren zu bescheiden, weshalb der Aktienkurs der Konkurrenz hinterherhinkte. Dies auch, weil die Erwartungen nach den zuletzt sehr erfolgreichen Jahren hoch waren. Die Dividendenrendite beläuft sich auf 5,1 Prozent.
Zurich Insurance
Zurich Insurance konnte in den vergangenen Jahren die hohe Schadenquote reduzieren, indem unprofitable Verträge gekündigt oder die Prämien erhöht wurden. Ohne angemessene Risikoabgeltung wird kein neues Geschäft abgeschlossen. Mit der Übernahme von Beazley sollte Zurich Insurance seine Position als einer der Weltmarktführer in der Industrie- und Gewerbeversicherung ausbauen können. Die Dividendenrendite steht bei 5,8 Prozent.

