Doch keine Trendwende am Hypothekarmarkt

Wer bald eine Hypothek aushandeln muss, kann aufatmen: Ein möglicher Trend hin zu steigenden Zinsen hat sich nicht bewahrheitet - diverse Anbieter senken diese Woche ihre Zinsen. Und Luft nach unten besteht weiterhin.
04.10.2016 23:00
Von Pascal Züger
Hypotheken sind derzeit günstig wie nie zuvor.
Hypotheken sind derzeit günstig wie nie zuvor.
Bild: Pixabay

Bis Mitte September stiegen die zehnjährigen Hypothekarzinsen im Durchschnitt auf 1,4 Prozent an, wie Daten von Vermögenspartner zeigen. Die langfristige Finanzierung von Wohneigentum hatte sich somit vorübergehen wieder etwas verteuert, nachdem einen Monat davor – Mitte August – der Schnitt noch bei 1,37 Prozent lag.

Die Befürchtungen von bestehenden und künftigen Hausbesitzer einer Trendwende hin zu höheren Hypothekarzinsen währten aber nur kurz: Mit einem durchschnittlichen Zinssatz der "Zehnjährigen" von 1,35 Prozent wurde in dieser Woche gar ein neuer Tiefstwert erreicht.

Der Trend fallender Hypo-Zinsen setzt sich also weiterhin fort, wie auch folgende Grafik zeigt:

Entwicklung der Verzinsung zehnjähriger Festhypotheken seit Januar 2011. Quelle: Vermögenspartner.ch 

In den letzten zwölf Monaten haben sich die zehnjährigen Hypotheken im Durchschnitt nochmals um 0,5 Prozentpunkte vergünstigt. Claudio Saputelli, Leiter Immobilienresearch bei der UBS, hat eine Erklärung für dieses Absinken parat: "Die Hypothekarzinsen sind nochmals leicht günstiger geworden, da sich die Wachstumsaussichten in den USA eintrübten." Der Markt sei ursprünglich von einem schnelleren Zinsanstieg in den USA ausgegangen, dieser Schritt wurde nun aber bereits mehrmals nach hinten verschoben.

Bei den Hypo-Zinsen am günstigsten sind laut Zinsvergleich des Beratungsunternehmens Vermögenspartner in Winterthur die Online-Anbieter Homegate.ch (1,00 Prozent), Swissquote (1,04 Prozent) und EasyHypo (1,08 Prozent), welche allesamt ihre Zinsen in dieser Woche leicht nach unten anpassten. Etwas weniger gute Konditionen gibt es bei den grossen Banken und Versicherungen: Bei Zurich sind es 1,14 Prozent, bei PostFinance 1,25 Prozent, bei der Credit Suisse 1,43 Prozent und bei Raiffeisen sogar 1,46 Prozent.

Was nicht vergessen werden darf: Dabei handelt es sich oft um "Schaufensterpreise". Je nachdem lassen sich von den Anbietern bessere Konditionen herauslocken (Tipps dazu hier).

Immobilienbesitzer nutzen diese attraktiven Zinssätze aus: Sie setzen immer häufiger auf längere Laufzeiten. Wie der Internet-Vergleichsdienst Comparis im Juli zeigte, lag der Anteil der zehnjährigen Laufzeiten Ende des ersten Quartals noch bei 80 Prozent, Ende des zweiten Quartals waren es bereits 82 Prozent. Denn wer weiss, wie lange langfristige Hypotheken noch zu so guten Konditionen erhältlich sind.

Luft nach unten vorhanden

Prinzipiell zeichnet sich zwar gemäss Immobilienexperte Saputelli kein "Game Changer" ab, welcher grosse Veränderungen in die Hypothekarzinslandschaft bringen könnte. Doch seien weiterhin Volatilitäten zu erwarten. Nach oben könne der zehnjährige Hypo-Zins kurzfristig wieder bis auf 1,7 Prozent steigen.

Aber auch nach unten sind noch nicht ganz alle Grenzen ausgelotet: "Da Spargelder momentan praktisch zu null Prozent verzinst werden, entspricht der tiefstmögliche Hypothekarzins genau der Marge, welche bei ungefähr 1 Prozent liegt", meint Saputelli.

Die Überlegung dahinter: Banken refinanzieren sich mit Einlagen und Spargeldern. Diese werden als Hypotheken weitergegeben, mit einem entsprechenden Aufschlag. Dieser minimale Aufschlag der Hypothekenanbieter soll nun 1 Prozent betragen. Zehnjährige Hypothekarzinsen darunter sind für den Leiter Immobilienresearch der UBS nur denkbar, wenn auch die Spargelder der Bankkunden negativ verzinst würden.

Kein Ende der Negativzinsen in Sicht

Letzten Endes handelt es sich bei solchen Veränderungen - egal ob nach oben oder unten - jedoch nur um kleinere Volatilitäten. Von Zinsen um 3 Prozent, wie sie noch 2011 vorherrschten, ist die Schweiz hingegen meilenweit entfernt. Damit die Hypothekarzinsen wieder spürbar ansteigen, bräuchte es ein Ende der Negativzins-Politik der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Das wiederum hängt weniger von den Launen des SNB-Präsidenten Thomas Jordan ab als vielmehr von den Wachstumsaussichten der globalen Wirtschaft: Zunächst braucht es eine Erholung in den USA mit höheren Leitzinsen und davon ausgehend auch ein Ende der lockeren Geldpolitik in der Eurozone - einhergehend mit einer sich erholenden Wirtschaft.

Das alles passiert kaum von heute auf morgen: "In der Schweiz erwarten wir nicht vor 2018 ein Ende der Negativzinsen", sagt etwa Saputelli dazu. Es könne aber auch noch länger dauern. Und bis dann seien keine grossen Bewegungen der Hypothekarzinsen zu erwarten.