Powell selber bezeichnete den Schritt am ‌Sonntag als «Vorwand», ‌um mehr Einfluss auf die Zentralbank und die Geldpolitik zu erlangen. Der Vorgang ist eine Eskalation in den langjährigen Versuchen Trumps, eine grössere Kontrolle über die Fed zu gewinnen. Ökonomen und Investoren sagten in ersten Reaktionen:

BERND WEIDENSTEINER, ​COMMERZBANK:

«Der Konflikt zwischen Regierung und der Notenbank hat damit eine neue ‌Stufe erreicht. Die Frage ist nun, ob die ‌Fed genügend Rückhalt im Kongress hat, um ihre Unabhängigkeit zu verteidigen. Viel wird dabei auf den Nachfolger Powells ankommen. Die verschiedenen Kandidaten haben zwar alle betont, wie wichtig die Unabhängigkeit der Fed sei. Wie glaubwürdig diese Versicherungen sind, muss sich allerdings noch zeigen, zumal der Nachfolger ja von Trump handverlesen wird. Mittelfristig ⁠befürchten wir, dass sie dem Drängen der Regierung teilweise nachgeben wird und die Zinsen zu stark senkt. Konkret prognostizieren wir für 2026 Zinssenkungen um insgesamt 125 Basispunkte, vor allem ab Juni unter dem neuen Fed-Chef.»

KARL ​SCHAMOTTA, CHEF-MARKTSTRATEGE CORPAY, TORONTO:

«Die Enthüllungen markieren eine dramatische Eskalation in den Bemühungen der ‌Regierung, der Fed die Beine wegzuschlagen. Das könnte eine Reihe ‍unbeabsichtigter Folgen haben, die den erklärten Zielen von Präsident Trump direkt zuwiderlaufen. Durch den Versuch, die Zentralbank durch aggressive rechtliche Drohungen ​gegen einzelne Vertreter zu beeinflussen, könnte die Regierung die Inflationserwartungen in die Höhe treiben, die Rolle des Dollars als sicherer Hafen untergraben und einen starken Anstieg der langfristigen Anleiherenditen auslösen, der die Kreditkosten in der gesamten ‌amerikanischen Wirtschaft erhöht. Überall Benzin auszuschütten und dann mit Streichhölzern zu ⁠spielen, geht in der Regel nicht gut aus.»

JACK ABLIN, ‌CHIEF INVESTMENT OFFICER VON CRESSET CAPITAL, CHICAGO:

«Investoren werden sich Sorgen um die zukünftige Unabhängigkeit der Federal Reserve machen. Alles, was die Unabhängigkeit ‍der Fed untergräbt, ist nicht gut für Staatsanleihen.»

ALEX MORRIS, CEO VON F/M INVESTMENTS, WASHINGTON:

«Es ist ein bewusster Versuch, Institutionen zu untergraben, die der Präsident als Hindernis für seine ​Politik ansieht. Es ist auch ein bisschen Theater. Es sendet eine Botschaft ‍aus an andere Fed-Gouverneure und an denjenigen, den Trump als Nachfolger von Powell nominiert: Eure Aufgabe ist es, zu tun, was ich von euch will.»

(Reuters)