In einer Urabstimmung hätten 93 Prozent der Wahlberechtigten für einen Ausstand votiert, teilte die Gewerkschaft am Mittwoch mit. Sollte der Tarifstreit nicht beigelegt werden, werde die Arbeit voraussichtlich ab dem 21. Mai für 18 Tage niedergelegt. Bei Samsung sind mehr als 70 Prozent der 125.000 südkoreanischen Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert. Der Konzern betonte, sich nach Kräften um eine Einigung bemühen zu wollen.
Samsung produziert seine Arbeitsspeicherchips ausschliesslich in Südkorea. Bei Halbleitern für Festplatten und USB-Sticks liegt der Anteil bei zwei Dritteln. Durch den weltweiten Bauboom bei Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) können Speicherchipanbieter den Bedarf nicht mehr bedienen, was die Preise in den vergangenen Monaten nach oben getrieben hat.
In der Belegschaft des Konzerns wächst die Frustration über das Gehaltsgefälle zum Lokalrivalen SK Hynix. Dieser hat die bisherigen Obergrenzen für Mitarbeiterboni abgeschafft und koppelt sie an den operativen Gewinn. Samsung warnte, Änderungen nach diesem Vorbild gefährdeten künftige Investitionen und die Ausschüttungen an die Aktionäre. Im vierten Quartal hatte Samsung dank des KI-Booms einen operativen Rekordgewinn von umgerechnet knapp 14 Milliarden Euro verbucht.
Der Konzern will darüber hinaus die Angebotsengpässe dazu nutzen, Kunden zum Abschluss mehrjähriger Lieferverträge zu bewegen. Damit wolle er sich gegen eine mögliche Abkühlung der Investitionen in KI-Infrastruktur absichern, sagte Co-Chef Jun Young-hyun. «Es ist von entscheidender Bedeutung, mittel- bis langfristige geschäftliche Unsicherheiten zu minimieren und ein gesundes Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage aufrechtzuerhalten.» Bislang haben Lieferverträge meist eine Laufzeit von wenigen Monaten bis zu einem Jahr. Samsung-Aktien stiegen am Mittwoch um 7,5 Prozent.
Die Gewerkschaft stehe dennoch vor schwierigen Tarifverhandlungen, warnte Analyst Sohn In-joon vom Brokerhaus Heungkuk. Die Streichung der bisherigen Obergrenze für Mitarbeiterboni von 50 Prozent des Jahresgehalts sei ein heikles Thema. Sie würde die Gehaltsschere zwischen den Beschäftigten der Chipsparte und anderer Bereiche wie der Smartphone- oder Fernseherproduktion vergrössern. Dort drücke der harte Wettbewerb auf die Gewinne.
(Reuters)

